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Wasserstoff sei eine Kerntechnologie der Energiewende, so Energieminister Peter Altmaier (CDU) und will neun Milliarden Euro für die Entwicklung bereitstellen. Doch was kann Wasserstoff und wie weit ist diese Technik schon ausgereift?

Unvorstellbare Energie aus Wasserstoff - den Weltraum hat Wasserstoff längst erobert. Jetzt soll diese Energie auch zunehmend auf unseren Straßen genutzt werden. Dass das so kommen wird, davon ist Christopher Hebling fest überzeugt. Hebling ist deutscher Experte in der internationalen Energieagentur und Wasserstoff-Experte. Er arbeitet am Fraunhofer Institut in Freiburg und fährt ein rein wasserstoffgetriebenes Auto: "In drei Minuten ist der Tank voll, man hat 600 Kilometer Reichweite. Das heißt, man muss in der Mobilität überhaupt nichts ändern."

Was kann Wasserstoff eigentlich?

Wasserstoff muss künstlich gewonnen werden. Ganz normales Wasser wird durch Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff aufgeteilt. Der mit Elektrolyse-Anlagen gewonnene Wasserstoff ist ein exzellenter Energiespeicher und kann zum Beispiel in Tanks gelagert und überall als Energie verwendet werden. Für den Antrieb von Autos zum Beispiel. An der Effizienz solcher Fahrzeuge forscht das Team um Christopher Hebling im Fraunhofer Institut in Freiburg - Wasserstoff als Energie für Brennstoffzellen-Autos: "Im Auto sind nicht 20 Zellen aufeinander gestapelt, sondern circa 300 bis 400. Der Block liefert dann gut 7.080 Kilowatt, also etwa 80 PS. Sprich, mit einem solchen Block kann man ein komplettes Fahrzeug schon antreiben."

Und dieser Vorgang ist völlig geräuschlos und schadstofffrei, deshalb will Christopher Hebling mit Wasserstoff in die Zukunft: "Man hat immer noch einen Auspuff, aber da kommt warme, feuchte Luft raus - sonst nichts. Insofern ist das absolut emissionsfrei."

Welche Vorteile hat Wasserstoff noch?

In Deutschland wird schon jetzt sehr viel Ökostrom produziert, aus riesigen Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen. Doch Stromerzeugung und Strombedarf sind oft nicht deckungsgleich. Deshalb brauchen wir effiziente Stromspeicher. Da soll Wasserstoff künftig eine wichtige Rolle spielen, gerade dort, wo viel Strom produziert wird. "Es wird auch jetzt schon in riesige Elektrolyse-Anlagen investiert, sehr große Anlagen um Wasserstoff als Energieträger nicht nur für die Mobilität, sondern auch für die Stahlerzeugung und für viele andere Anwendungen zu produzieren", so der Experte Helbling.

Welche Nachteile hat Wasserstoff?

Kritiker bemängeln, dass man erst viel Energie aufbringen muss, um daraus einen Energiespeicher, nämlich Wasserstoff, zu bekommen. Zwar soll künftig hauptsächlich grüner Wasserstoff aus erneuerbarer Energie produziert werden, aber es bleibt das Problem der Produktion. Christopher Helbling: "Wasserstoff in seiner molekularen Form ist nicht vorhanden, deswegen muss man das aus Wasser spalten. Das ist mit Energie verbunden, richtig, aber wir werden in Zukunft sehr viele erneuerbare Energien haben. Insbesondere in Regionen, die über genügend Potenziale über Photovoltaik und Wind verfügen."

Neun Milliarden Euro investieren

Über das meiste Potential aber verfügen zurzeit riesige Anlagen im Ausland. Deutschland wird also viel Wasserstoff importieren. Deshalb sollen neun Milliarden Euro investiert werden in die Forschung - wie am Fraunhofer Institut in Freiburg - um heimische Wasserstoff-Produktion so effizient wie möglich zu machen. Denn Deutschland hat in Sachen Wasserstoff große Ziele, sagt der Wirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier (CDU): "Wir wollen bei den neuen Wasserstoff-Technologien, hin zu grünem Wasserstoff, weltweit führend sein."

Dieses Ziel hat Christopher Hebling fest vor Augen. Er ist sicher: Wasserstoff wird eine Schlüsseltechnologie der Energiewende sein. Daran führe in Zukunft kein Weg vorbei.

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