Kühe auf der Weide in Bernau im Schwarzwald (Foto: SWR)

Weidehaltung und Wasserknappheit

Durstige Kühe auf Schwarzwaldhöhen: Abhilfe ist schwer

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Petra Jehle

Die Kühe auf den Weiden im Schwarzwald finden kaum noch Wasser. Eine Studie des Naturparks Südschwarzwald hat nach Lösungen gesucht, Wasser länger in den Höhenlagen zu speichern.

Hitze und Dürre machen der Landwirtschaft zu schaffen - nicht nur in den tieferen Lagen. Inzwischen ist die Wasserversorgung auch in Höhenlagen ein Problem. Die Landwirte müssen bereits seit Wochen Wasser zu ihren Tieren bringen. Das ist aufwendig und wird immer schwieriger, weil auch im Tal Trinkwasser knapp wird.

Quellen für Weidetiere versiegt

In Bernau (Kreis Waldshut) betreibt Anja Baur in dritter Generation eine Biolandwirtschaft mit Mutterkühen und Weidehaltung. Die Herde ist vom Frühjahr bis in den Herbst draußen auf abgelegenen Weiden auf rund 1.000 Metern Höhe. Viele Quellen sind bereits versiegt und ihre Tiere finden nicht mehr genug Wasser. Sie muss deshalb jeden Tag fässerweise Wasser auf den Berg zu den Tieren bringen.

"Wasser ist das A und O für die Tiere. Wenn sie kein Wasser haben, dann wird es gefährlich."

Vorschläge zur Klimafolgenanpassung

Der Naturpark Südschwarzwald hat deshalb vor zwei Jahren eine Studie gestartet. Das Ziel: Lösungen suchen, wie das Wasser von Schnee und Regen im Winter auch im Sommer länger in den Böden und in der Landschaft gespeichert werden kann. An der Studie waren Wissenschaftler, Politik, Verbände, Forst- und Landwirte beteiligt. Herausgekommen ist eine Liste mit 23 Vorschlägen: Sie reichen vom Anbau trockenheits- und hitzetoleranter Pflanzenarten bis hin zur Anlegung von Retentionsmulden, die den Wasserabfluss von den Bergen ins Tal verlangsamen sollen.

Bernau im Schwarzwald: Die Weiden in den Höhenlagen werden immer trockener (Foto: SWR, Petra Jehle)
Die Weiden in den Höhenlagen werden immer trockener Petra Jehle

Staatliche Unterstützung gefordert

In ihrem Fazit fordert die Studie eine kluge Vernetzung der Maßnahmen innerhalb eines Gebietes. Das gehe aber nicht ohne finanzielle Unterstützung. Im Abschlussbericht heißt es, dass die Förderung entscheidend für die Umsetzung der Vorschläge sei. Nicht nur im Hinblick auf einen finanziellen Ausgleich von möglichen Ertragsverlusten, sondern auch, was deren Erhalt angeht. Noch sei aber unklar, wie diese Agroforst-Maßnahmen gefördert werden könnten.

Naturschutz schränkt Möglichkeiten ein

Bäuerin Anja Baur sieht die Vorschläge der Studie skeptisch. Die Realisierung würde hohe Kosten verursachen. Hinzu komme der große zeitliche Aufwand. Sie könne sich zwar vorstellen, Bachläufe mit Bäumen und Büschen zu bepflanzen und Mulden in den Wiesen anzulegen. Dagegen würden aber die aktuellen Naturschutzauflagen sprechen. Die Wiesen, auf denen Anja Baurs Kühe grasen, stehen unter strengem Naturschutz.

"Das ist ein riesiger Aufwand. Auch weil wir unsere Vorschriften aus dem Naturschutz haben. Ich kann nicht einfach irgendwo einen Baum hinpflanzen. Das geht nicht."

Weide in Bernau im Schwarzwald: Bis zu 80 Liter Wasser pro Tag trinkt ein Rind (Foto: SWR, Petra Jehle)
Weide in Bernau im Schwarzwald: Bis zu 80 Liter Wasser pro Tag trinkt ein Rind Petra Jehle

Ein Dilemma: Ohne die Bewirtschaftung durch Kühe würden die Weiden zuwachsen und auch die selten Arten von Pflanzen und Insekten würden verschwinden. Eine "Verbuschung" würde auch dem Tourismus schaden. Denn der weite Blick macht Bernau zu einem beliebten Ausflugsziel für Wanderer.

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