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Die Landkreise Waldshut und Lörrach haben seit Wochen überdurchschnittlich viele Corona-Fälle. Wie kommt das? Liegt das an der offenen Grenze zur Schweiz?

Tatsächlich zeigt eine Umfrage unter den Gesundheitsämtern in den Kreisen Waldshut und Lörrach sowie den schweizerischen Grenzkantonen, dass die Kontaktverfolgung von Covid-19-Patienten über die Grenzen hinweg nicht immer einfach ist. So schreibt das Landratsamt Waldshut: "Wir haben es sehr begrüßt, dass sich seit Beginn der Pandemie regionale Meldewege zwischen beiden Ländern etabliert haben, diese haben auch funktioniert." Aber:

"Seitdem sich die Situation in der Schweiz durch steigende Fallzahlen aber verschärft hat, ist dieser Austausch ins Stocken geraten und teilweise sogar eingestellt worden."

Landratsamt Waldshut

So hat der Kanton Zürich dem Landkreis Waldshut nur einmal – und das vor fünf Wochen – Kontaktpersonen gemeldet. Aus dem Rest der Schweiz kamen im Schnitt jede Woche etwa fünf Meldungen an. Zum Vergleich: Am Hochrhein gibt es 35.000 Grenzgänger. Der Kanton Aargau erklärt lapidar, dass er die Meldungen nicht erfasse.

Weiter rheinabwärts – zwischen Basel und Lörrach – scheint der Austausch besser zu funktionieren. Dem Landkreis Lörrach wurden in den letzten vier Wochen 60 Fälle aus der Schweiz gemeldet. Eine Zahl, die mit den Angaben aus Basel zusammenpasst.

Pendler am Züricher Hauptbahnhof mit Maske (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
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Regierungspräsidentin Schäfer appelliert an Grenzgänger

Auch der Austausch mit Frankreich funktioniere, sagt die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer: "Jeder weiß wohin er sich melden muss. Wir stehen im kontinuierlichen Kontakt." Allerdings hänge der Austausch auch von der Belastung der Gesundheitsämter in den jeweiligen Regionen ab. Je nach Ort und Fallzahlen gebe es Unterschiede, so Schäfer. Wegen des Lockdowns gebe es derzeit außer den Berufspendlern keinen nennenswerten Einkaufs- oder Freizeitverkehr.

"Das sieht natürlich anders aus, wenn ich die Schweiz anschaue", sagt Schäfer. Denn dort sind die Einschränkungen vergleichsweise gering. Einkaufsfahrten nach Deutschland, Restaurant- und Cafébesuche in der Schweiz sind weiter erlaubt. Keine gute Idee, findet Bärbel Schäfer.

"Wir haben immer gesagt, die Grenzen können offen bleiben, wir wollen das auch. Aber das hängt immer auch vom Verantwortungsbewusstsein der Menschen ab. Und da müssen wir schon sehr stark appellieren, dass wir nur die Wege machen, die unbedingt nötig sind."

Bärbel Schäfer, Regierungspräsidentin Freiburg

Auch Andreas Jung, der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende und Co-Vorsitzende der deutsch-französischen Parlamentariergruppe, betont, dass die Grenze unabhängig von den Fallzahlen der jeweiligen Länder offen bleiben müsse: "Es muss noch enger, noch intensiver und noch besser abgestimmt werden. Und das alles muss der Lebenswirklichkeit in der Region abgestimmt werden. Wir werden nur zusammen, die Pandemie erfolgreich bekämpfen können."

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