Wanderer am Belchen (Foto: SWR, Matthias Zeller)

Vier Tage unterwegs

Auf der Spur der Kelten: Schweizer wandern von Belchen zu Belchen

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Matthias Zeller
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Jan Lehmann

Vier Tage, 80 Kilometer und fast 5.000 Höhenmeter: Zwei Eidgenossen wandern vom Schweizer zum Schwarzwälder Belchen. Wir haben sie auf einigen Etappen begleitet.

Wanderung von Belchen zu Belchen (Foto: SWR, Matthias Zeller)
Auf dem Weg gibt es manches Hindernis zu überwinden (oder umkurven) Matthias Zeller

Ein SWR-Fernsehfilm über den Schwarzwald und das so genannte "Belchen-Dreieck" hat Peter Schaffner und Stefan Bolz inspiriert, ihre Wanderschuhe zu schnüren - für eine viertägige grenzüberschreitende Wanderung vom Schweizer Belchen zum Schwarzwälder Belchen. Diese beiden Belchen nutzten vermutlich bereits die Kelten - gemeinsam mit dem Elsässer Belchen - dazu, den Beginn der vier Jahreszeiten zu bestimmen. Denn exakt zur Sommer- oder Wintersonnenwende und zur Tagundnachtgleiche, an der Frühling oder Herbst beginnen, geht die Sonne genau über einem der Belchen im Dreiländereck auf oder unter. Vermutlich deshalb tragen die drei Berge und noch zwei weitere im Elsass alle den Namen "Belchen".

Aber weil alle Theorie grau ist, haben sich die Schweizer Rentner - beide studierte Geografen - auf den Weg von Belchen zu Belchen gemacht. Start war am Dienstag, 31. August, in Eptingen im Kanton Basel-Land, der Heimatregion von Peter Schaffner, der inzwischen wie Stefan Bolz im Kanton Zürich wohnt.

Tag 1: Aufstieg auf den Schweizer Belchen (1.099 m)

Wanderung von Belchen zu Belchen (Foto: SWR, Matthias Zeller)
Auf dem Schweizer Belchengipfel angekommen: Stefan Bolz (links) und Peter Schaffner Matthias Zeller

In Eptingen, bekannt durch seine Mineralwasserquelle, beginnt der erste schweißtreibende Aufstieg auf den Schweizer Belchen: Ein Vorgeschmack auf die weitere Wanderung mit rund 80 Kilometern und insgesamt fast 5.000 Höhenmetern. Der Weg führt durch Wälder und über Kuhweiden, begleitet von den Blicken der Kühen und dem Läuten ihrer Glocken: Schweizer Idylle - eine halbe Stunde vom Großraum Basel/Weil am Rhein/Lörrach entfernt. Was im Sonnenschein beginnt, endet zwei, drei Stunden mit Ernüchterung: Bewölkung zieht auf und versperrt auf dem 1.099 Meter hohen Schweizer Belchen den Blick zu seinem "Bruder" im Schwarzwald. Genauso wie - Richtung Süden - auf die Schweizer Alpenkette.

Die Enttäuschung spülen die Wanderer mit einem Schluck Champagner runter - eingeschenkt aus einer kleinen, im Rucksack verstauten und gut durchgeschüttelten Flasche. Konditionell war der Aufstieg auf den Schweizer Belchen für die beiden kein Problem. Peter Schaffner ist zwei Mal den berühmten New-York-Marathon gelaufen, sein Wanderkamerad Stefan Bolz ist ebenfalls gut trainiert. Ihr Motto: Solange man beim Wandern noch reden kann, ist alles im grünen Bereich.

Wanderung von Belchen zu Belchen (Foto: SWR, Matthias Zeller)
Ein Schlückchen Sekt gegen den Frust - auf dem Schweizer Belchen herrscht schlechte Sicht Matthias Zeller

Gesprochen wurde viel und deshalb auch das eine oder andere Wanderweg-Schild übersehen. Das nahmen die Männer aber auf die leichte Schulter denn: Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Sie passieren Panzersperren, Bunker und Kommandoposten aus den Weltkriegen und gönnen sich im Berggasthaus "Ober-Bölchen" eine Kaffeepause. Als sie an einem Baselbieter Bauernhof vorbeikommen, klagt der Landwirt den Wanderern sein Leid: Die Kirschernte war wegen Frost und der Kirschessigfliege gleich null, Weizen und Dinkel nur als Schweinefutter brauchbar und der Mais schmeckt den Wildschweinen ...

Tag 2: Erster Grenzübertritt nach zwei Jahren am "Tiefpunkt" Rheinfelden

Die zweite Tagesetappe führt von Zunsgen ins schweizerische Rheinfelden, die alte Zähringer- und Reichsstadt mit ihren schönen historischen Gebäuden. 17 Kilometer legen die beiden Wanderer zurück oder exakt 24.834 Schritte, wie es ihr Schrittzähler festhält. In Rheinfelden erreichen Peter Schaffner und Stefan Bolz den mit 264 Metern über dem Meer tiefsten Punkt ihrer Wanderung.

Zuvor, in Sissach, hatte Peter Schaffner eine freudige Entdeckung gemacht: Den Landgasthof "Alpbad", in dem er vor 39 Jahren seine Hochzeit gefeiert hatte, gibt es immer noch! Bemerkenswert ist für die beiden Freunde aber vor allem, dass sie - Corona geschuldet - nach zwei Jahren zum ersten Mal wieder die Staatsgrenze nach Deutschland überschreiten: "Unsere Einreisevisa wollte aber niemand kontrollieren."

3. Tagesetappe: Von SWR4-Hörern erkannt

Von Rheinfelden im Kreis Lörrach führt der Weg an Schloss Beuggen vorbei und den Dinkelberg hinauf. Ein Hangrutsch und Holzfällerarbeiten versperren den Wanderern den Weg und zwingen sie auf Asphalt zu gehen - was wegen der sommerlichen Temperatur zu glühenden Schuhsohlen führt. Von einer Gruppe von Radfahrern werden die beiden Schweizer, die mit der Gruppe ins Gespräch geraten, dann sogar erkannt: Die Radfahrer hatten gehört, wie Peter Schaffner und Stefan Bolz zu Tourbeginn in SWR4 live ein Interview über ihre Belchen-Tour gegeben hatten.

Von der hohen Flum aus, einem Berg bei Schopfheim, sehen die Wanderer weit entfernt im Dunst den Schweizer Belchen und damit die von ihnen zurückgelegte Strecke. Bei bestem Sonnenschein erreichen sie am Abend Zell im Wiesental.

4. Tagesetappe: Auf den schwarzwälder Belchen

Die Schlussetappe startet am 3. September bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel in Zell im Wiesental. Der Weg führt am Zeller Blauen vorbei, an Kuhweiden, überwiegend durch den Wald. Ausblicke zeigten in der Ferne die Basler Roche-Hochhäuser oder in der anderen Richtung auch den Hochblauen.

Ein großes Hallo unter den Wanderern gab es, als gegen 11 Uhr erstmals der Belchen in den Blick geriet, das ersehnte Ziel. Die beiden Schweizer bekamen in den ersten Stunden nur von zwei Mountainbikern und zwei weiteren Wanderern Gesellschaft. Immerhin trafen sie noch auf eine Schweizerin, die auf der Suche nach Pfifferlingen und Heidelbeeren war. Der größte Anstieg auf den 1.414 Meter hohen Belchen stand in den letzten zwei, drei Stunden bevor.

Die letzten drei der 17 Kilometer wurden für die Wanderer dann richtig schweißtreibend. Denn dann folgte das Finale mit den entscheidenden 500 Höhenmetern auf den Gipfel: Die Gespräche wurden kürzer, die Schritte langsamer, der Blick konzentrierter. Ein Glück für die Wanderer, dass der Weg nicht nur in der prallen Spätsommersonne über Bergwiesen, sondern auch in schattige und kühle Wald-Abschnitte führte. Je näher der Belchengipfel rückte, desto mehr füllte sich der zuvor einsame Weg mit Wanderern.

Peter Schaffner, der die Idee zur der Belchen-zu-Belchen-Wanderung hatte, blickte in Richtung Startpunkt beim Schweizer Belchen zurück: "Ich bin stolz, auch wenn es mit dem Flugzeug nur ein paar Minuten gewesen wären." Zu Fuß waren es aber vier Tage mit insgesamt über 80 Kilometern, fast 5.000 Höhenmetern und - laut Schrittzähler - 119.744 Schritten ...

Drei Männer auf dem Belchen-Gipfel (Foto: SWR, Matthias Zeller)
Geschafft: SWR Reporter Matthias Zeller, Stefan Bolz und Peter Schaffner (v. links n. rechts) haben auch zweiten Belchengipfel erklommen. Matthias Zeller
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