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Ein Video zeigt, wie ein Kontrolleur der Freiburger Verkehrs AG (VAG) einen farbigen Mann unsanft am Aussteigen hindert. Ein rassistisch motivierter Vorfall? Die VAG widerspricht.

Nach dem Handgemenge bei einer Fahrkartenkontrolle in einer Freiburger Straßenbahn hat die Freiburger Verkehrs AG (VAG) am Montag eine offizielle Stellungnahme abgegeben. Laut VAG stützten die Aufnahmen der Überwachungskamera aus der Bahn die Schilderung des Fahrausweisprüfers. So sei der kontrollierte Mann dem Prüfer sehr nahe gekommen und habe ihn angespuckt. Das Videomaterial werde nun der Staatsanwaltschaft übergeben, da der Fahrausweisprüfer gegen den überprüften Fahrgast Anzeige wegen Körperverletzung erstattet habe.

Video bei Twitter zeigt nur kleinen Ausschnitt

Das 14-sekündige Twitter-Video ist nach SWR-Informationen am Mittwoch in Freiburg gedreht worden. Es zeigt, wie einer von vier Kontrolleuren einen Mann mit schwarzer Hautfarbe kräftig gegen eine Haltestange stößt. Der Mann soll ohne gültigen Fahrschein unterwegs gewesen sein. Als dieser fordert, aussteigen zu dürfen, folgen ein heftiger Wortwechsel und ein Handgemenge.

Rasche Aufklärung gefordert

Stadträtin Monika Stein (Grüne Alternative Freiburg) fordert rasche Aufklärung und spricht von einem "krassen Video": "Dass Kontrolleure tätlich werden gegen Fahrgäste - egal was vorgefallen ist - das darf nicht sein", sagt Stein. Menschen fest zu setzen sei alleinige Aufgabe der Polizei.

VAG-Sprecher: Kontrolleur fühlte sich bedroht

Der Sprecher der Freiburger Verkehrs AG, Andreas Hildebrandt, betont, dass der im Internet kursierende Clip nur einen kleinen Ausschnitt des Geschehens zeige. Das beweise ein betriebsinterner Videomitschnitt aus der Straßenbahn. "Der Fahrgast hat sich geweigert, einen Fahrschein vorzuzeigen, er hat verschiedene Beleidigungen ausgestoßen", schildert Hildebrandt. Der Mann sei einem Kontrolleur sehr nahe gekommen, habe ihn angespuckt und behauptet, er habe das Coronavirus. Der Kontrolleur habe sich bedroht gefühlt und den Mann weggestoßen. Diese Szene hat das Video festgehalten.

Stadträtin: Freiburg habe ein Rassismus-Problem

Der VAG-Fahrscheinprüfer habe bei der körperlichen Auseinandersetzung Verletzungen am Oberarm erlitten und den Fahrgast mittlerweile angezeigt. Stadträtin Monika Stein ist gespannt auf die Ergebnisse der VAG-internen Untersuchung, die am Montag bekannt gegeben werden sollen. Sie glaubt jedoch unabhängig davon, dass es in Freiburg ein Rassismus- Problem gibt. Menschen mit anderer Hautfarbe berichteten ihr immer wieder von Übergriffen und von "Situationen, die rassistisch geprägt sind."

VAG schließt Rassismus bei Mitarbeitern aus

VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt weist darauf hin, dass Fahrscheinprüfer bei Kontrollen sehr oft beleidigt werden. Rassismus schließt er bei den Mitarbeitern der Freiburger Verkehrsbetriebe kategorisch aus: "Gerade im Prüfdienst haben wir viele Menschen, die nicht deutscher Herkunft sind." Für die Kontrolleure gehe es einzig um die Frage, ob jemand einen gültigen Fahrschein habe oder nicht. "Was das für eine Person ist, darf dabei keine Rolle spielen."

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