"Schemenwald"

Villinger Narrozunft pflanzt Bäume für Fastnachtsmasken

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Weil qualitativ hochwertiges Lindenholz für handgeschnitzte Fastnachtsmasken immer knapper wird, hat die Villinger Narrozunft nun einfach selbst Linden gepflanzt.

Das Ein und Alles eines jeden Narren ist seine Maske, je nach Region auch Scheme oder Larve genannt. Viele von ihnen sind in mühevoller Handarbeit geschnitzt und bemalt - individuell gestaltet und doch perfekt, um in der Masse die nötige Anonymität zu bekommen.

Holzqualität auch bei Fastnachtsmasken entscheidend

Qualitativ hochwertiges Lindenholz ist immer schwerer zu bekommen und für die schätzungsweise 9.000 Schemen, die alleine von der Villinger Narrozunft im Umlauf sein dürften, mussten einige Bäume ihr Holz lassen. Nun hat die Zunft der Stadt 300 Winterlinden gespendet und diese auch selbst am Stadtrand gepflanzt. Für die richtige Technik beim Pflanzen und die richtigen Abstände bekam die Narrozunft Unterstützung von Roland Brauner vom Forstamt Villingen-Schwenningen. Mit einer kleinen Einführung und 300 neon-roten Punkten auf dem Waldboden zeigte er den knapp 30 Freiwilligen mit Gummistiefeln und Schaufeln, wie man richtig Bäume pflanzt.

Nur acht bis zehn Linden werden bleiben

Den Boden mit der Schaufel ausheben, Lindensetzling in die Erde, Aushub wieder in das Loch krümeln, festtreten und leicht an dem Setzling ziehen, der zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als ein Ast mit Wurzeln ist. Das hört sich leichter an, als es ist, denn den durchnässten Boden auszuheben, kostet einiges an Kraft. Umso ernüchternder ist da die Tatsache, dass nur acht bis zehn der 300 gepflanzten Linden tatsächlich einmal auf der brachliegenden Fläche am Stadtrand von Villingen stehen werden. Damit diese jedoch nicht etwa krumm und verdreht in die Höhe wachsen, werde sie in Abständen von eineinhalb Metern gepflanzt.

Lindensetzlinge bestehend aus einzelnen Ästen und einer kleinen Wurzel auf einer grauen Tüte in einem Feld liegend.  (Foto: SWR, Samantha Happ )
Winterlinden-Setzlinge Samantha Happ

"Linden können bis zu 1.000 Jahre alt werden."

Ein Projekt für die Narren der Zukunft

1.000 Jahre muss die Narrozunft allerdings nicht auf ihr Holz warten. In etwa 80 Jahren könnten daraus erste Masken geschnitzt werden. Der sogenannte "Narrensomen", also der Nachwuchs der Narrozunft, welcher an diesem Abend schon fleißig hilft, könnte das vielleicht noch persönlich miterleben. Es handle sich eben um ein Projekt für die nachfolgenden Generationen. Knapp 200 Schemen könne man dann aus einer Linde schnitzen, so die Berechnungen von Roland Brauner.

"Wenn wir jetzt schon ein Problem haben, wie ist es dann erst in 50, 60, 70, 80 Jahren. So ist die Idee aus der Not entstanden, aus der zukünftigen Not heraus.“

Geheimnis des Schemenwalds

Um das Holz für die bereits geschnitzten Masken wieder auszugleichen, müsste die Narrozunft jedoch noch so einige Wälder pflanzen. Damit aus den gepflanzten Linden irgendwann ein richtiger Schemenwald werde, sei es wichtig, dass die Spazierenden heute schon mal mit den Linden redeten, damit sich das Holz an seine künftige Aufgabe als Fastnachtsmaske gewöhnen könne, scherzt einer der Narren.

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