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Salat aus einer Fabrik, mitten in der Stadt: das gibt es seit Kurzem in Basel. Ein Start-up-Unternehmen testet dort derzeit eine vertikale Anbaumethode in geschlossenen Hallen ohne Tageslicht mit sehr viel Computertechnologie.

Senkrechte Zuchtbeete und Kunstlicht

Die fensterlose Produktionshalle, in der die Basler Firma Growcer das so genannte "Vertical Farming" testet, erstrahlt gerade in leuchtendem Pink. Die Zuchtbeete stehen senkrecht im Raum und reichen vier Meter hoch - vom Boden bis zur Decke. In diesen Pflanzwänden wachsen Blattsalate und Basilikum, Rukola und Erdbeeren. Durch die vertikale Anordnung kann die Anbaufläche um das sechsfache erhöht werde, erklärt Geschäftsführer Marcel Florian. Für das perfekte Wachstumsklima sorgt ein Computersystem.

Ernteerfolg durch optimale Bedingungen

Für jede Pflanzensorte, ob Pflücksalat oder Koriander, wurde ein individuelles Beleuchtungs - und Bewässerungsprofil entwickelt. Wie genau das aussieht, ist natürlich Firmengeheimnis. "Wir können mit dem blauen Licht den Salat röter werden lassen und gleichzeitig den Vitamin-C-Gehalt bei Rukola um 30 Prozent erhöhen. Wir spielen mit der Photosynthese um ein Optimum zu erreichen."

Indoorfarm: Erdbeeren & Co gedeihen unter besonderem Licht (Foto: SWR, Katja Schiementz)
Indoorfarm: Erdbeeren wachsen vertikal mit besonderem Licht Katja Schiementz

Wenig Wasser, kein Gift, dafür aber viel Strom

Die gesamte Indoor-Farm kommt ohne Pestizide aus und braucht 90 Prozent weniger Wasser als die herkömmliche Landwirtschaft. Wegen der ganzen Technik ist der Stromverbrauch allerdings hoch. Für die Migros-Genossenschaft in Basel ist das Pilotprojekt dennoch sehr interessant. Denn die Produktion läuft unabhängig von Saison und Klimaschwankungen.

Supermarktkette Migros sieht großes Potential

Das Handelsunternehmen unterstützt daher das Start-up. Schließlich trage man eine Mitverantwortung zur Versorgungssicherheit der Zukunft, so der Migros Produktmanager Reto Böner: „Bei aktuell 35 Grad läuft die regionale Landwirtschaft am Limit. Die Ware leidet und geht kaputt. Und dem kann man hier maximal vorbeugen.“

Kundschaft noch skeptisch

Derzeit testet die Lebensmittelkette wie die ersten Produkte bei den Verbrauchern ankommen. Viele Kunden seien zwar noch skeptisch, aber der Geschmack der Produkte überzeuge: mit Salat aus der Indoor-Erzeugung mache man schon gute Erfahrungen, in Kürze wolle man auch mit Kräutern starten. Lediglich bei Grünkohl war die Resonanz der Kunden eher noch verhalten, sagt Böner.

Großes Interesse auch bei Wüstenstaaten

Auf großes Interesse stößt die neue wassersparende Produktionstechnologie inzwischen auch in den arabischen Ländern. Indoor-Farmer Marcel Florian ist bereits in Verhandlungen mit Dubai.  "Wenn man sich das Ganze in Kombination mit einer Photovoltaikanlage in der Wüste vorstellt, dann macht das Sinn."

Aber auch in gemäßigten Breitengraden könnte das Jungunternehmen erfolgreich sein, meint Migrosmanager Reto Böner. Es müsse nur noch gelingen, die Produktionskosten zu senken. Für ihn ist "Vertical Farming" eindeutig ein Projekt mit Zukunft.

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