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Gerade läuft in Berlin die internationale Grüne Woche. Dass die weltweit größte Agrarmesse in diesem Jahr erstmals ausschließlich digital stattfindet, ist für Erzeuger von veganen Lebensmitteln und für die Biobranche gut verkraftbar. Sie verzeichnen in der Pandemie einen regelrechten Boom.

Die Lagerhalle des Bio-Großhandels Rinklin in Eichstetten am Kaiserstuhl ist riesig. Hier stapeln sich Kisten mit über 12.000 verschiedenen Produkten. Von Obst und Gemüse über Haferflocken und Tofu in allen Varianten bis hin zu Bioweinen: kurz die ganze Palette an Biolebensmitteln.

Kaum mit dem Liefern nachgekommen

Den ganzen Tag werden diese Waren in Rollwagen gepackt und auf LKW verladen, 1.000 Rollwagen am Tag. Im vergangenen Jahr waren es noch mehr. "Da kamen wir echt an die Kante“, erzählt Geschäftsführer Harald Rinklin. "Das hat uns fix und fertig gemacht. Im Team haben wir zwar alles geschafft, aber wir mussten mehr leisten als gesund ist.“

18 Prozent mehr Umsatz im vergangenen Jahr

Im vergangenen Corona-Jahr gab es für den Kaiserstühler Lebensmittelgroßhandel einige Überraschungen. Ingwer zum Beispiel war plötzlich gefragt wie noch nie. Mittlerweile habe sich die Situation wieder etwas beruhigt, sagt der Firmenchef. Unter dem Strich bleibt eine Umsatzsteigerung von 18 Prozent. 2020 war ein absolutes Rekordjahr für den Bio-Großhandel aus  Eichstetten. Für den Boom der doch auch etwas teureren Biolebensmittel hat Harald Rinklin eine einfache Erklärung: "Die Leute waren im Homeoffice oder in Kurzarbeit. Kino ging nicht, was sollten sie daheim machen außer etwas Gescheites zu kochen? Das war das einzige, was im Lockdown noch geblieben ist.“

Im Trend: "flexitarische“ Essensgewohnheiten

Vegan und vegetarisch essen ist „in“, nicht nur in Südbaden. Bundesweit sind die Absatzzahlen 2020 deutlich nach oben gegangen. Das liege an neuen - so genannten flexitarischen - Essgewohnheiten, sagt Dirk Lenders von der Lebensmittelzeitung aus Frankfurt: "Die größte Gruppe, die für den Schub im Lebensmittelhandel sorgt, ist die Gruppe der Flexitarier, also die Gruppe, die ganz bewusst ein oder zwei Fleisch-Mahlzeiten in der Woche durch ein pflanzliches Produkt ersetzt.“

Und dieser Trend hin zu hochwertigen Bioprodukten, werde weiter anhalten, ist der Lebensmittelexperte sicher. Auch Harald Rinklin geht davon aus, dass die Nachfrage weiter steigen wird. Er plant, das Familienunternehmen aus Eichstetten weiter auszubauen. Die Lagerhalle soll erweitert werden, der Bauantrag liegt der Gemeinde schon vor.

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