Die frühere Deutsche Mountainbike-Meisterin Helen Grobert aus Weilheim (Kreis Waldshut) steht am Dienstag wegen Dopings vor Gericht (Foto: dpa Bildfunk, Michael Kappeler (Archivbild 2016))

Mehr als 20 Fälle

Doping-Prozess: Geldstrafe für Ex-Mountainbikerin Helen Grobert

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Das Amtsgericht Waldshut-Tiengen hat die frühere Deutsche Mountainbike-Meisterin Helen Grobert zu einer Geldstrafe verurteilt. Ihr wurde Doping in mehreren Fällen vorgeworfen.

Das Amtsgericht hat gegen die frühere Deutsche Mountainbike-Meisterin Helen Grobert aus Weilheim im Kreis Waldshut eine Geldstrafe in Höhe von 6.750 Euro verhängt. Es sah es als erwiesen an, dass sie sich strafbar gemacht hat, weil sie in 21 Fällen Testosteron-Gel sowie Infusionen angewendet hatte. Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben eine Woche Zeit, dem Urteil zu widersprechen. Beide Parteien wollen das prüfen. Die Verteidigung hatte einen Freispruch, die Staatsanwaltschaft eine höhere Geldstrafe gefordert.

Staatsanwalt fordert Geldstrafe

Am Dienstag, dem letzten Prozesstag, hatte die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer 360 Tagessätze à 30 Euro gefordert. Außerdem sollen die sichergestellten Doping-Mittel und der Laptop von Helen Grobert als Tatmittel eingezogen werden.

Verteidigung fordert Freispruch

Die Verteidigung forderte in ihrem Plädoyer, Helen Grobert von allen Vorwürfen freizusprechen. Denn es sei nicht erwiesen, dass sie sich mit Testosteron-Gel behandelt habe. Zudem fehlten dem Verteidiger zufolge nach wie vor Dokumente der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) zur Urinprobe, obwohl das Amtsgericht sie angefordert habe. Das gefundene Testosteron sei nicht in ihrem Besitz gewesen, sondern in dem ihres Vaters. Das Wehrstrafgesetz kann laut Verteidigung nicht angewendet werden. Denn es bestehe kein Bezug zum Dienst. Der Verteidiger ergänzte im Plädoyer: Den Beweismitteln sei nicht zu entnehmen, dass die Infusionen stattgefunden hätten oder die erlaubten 100 Milliliter in zwölf Tagen überschritten worden seien. Wenn sie stattgefunden hätten, hätten sie bei den Wettkämpfen schon keine Wirkung mehr gehabt. Deshalb sieht er keinen Versuch, sich bei dem Wettbewerb einen Vorteil zu verschaffen.

Ex-Mountainbikerin im Doping-Prozess in Waldshut-Tiengen vor Gericht (Foto: SWR, Matthias Zeller)
Ex-Mountainbikerin im Doping-Prozess in Waldshut-Tiengen vor Gericht Matthias Zeller

Nach Schweizer Recht nicht strafbar

Die meisten dieser Fälle sind Infusionen, die Helen Grobert in der Schweiz von einem Arzt bekommen haben soll. Nach Schweizer Recht ist das für Athleten nicht strafbar und damit auch nicht in Deutschland. Weil Helen Grobert damals aber auch Sportsoldatin der Bundeswehr war, ist es komplizierter: Laut Staatsanwaltschaft Freiburg hat sich die Angeklagte möglicherweise nach dem deutschen Wehrstrafgesetz strafbar gemacht.

Wohl kein Bezug zur Bundeswehr

Die Aktivitäten von Helen Grobert als Spitzensportlerin haben nichts mit der Bundeswehr zu tun gehabt, wie Verteidiger Patrick Hinderer mitteilte. Ein Sportschiedsgericht hatte Helen Grobert 2020 wegen Testosteron-Dopings zu einer vierjährigen Wettkampf-Sperre verurteilt.

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