Mitsegeln auf dem Bodensee macht Fremde zu Freunden (Foto: SWR)

Erlebnis mit bleibenden Eindrücken

Segeln auf dem Bodensee macht Fremde zu Freunden

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AUTOR/IN
Sandra Helmeke

Auch Menschen ohne Segelschein träumen von einem Urlaub oder wenigstens einem Törn auf dem Segelboot. Ein Bodensee-Kapitän ermöglicht ihnen das.

Wasser, Wellen, Wind genießen, das Abendrot im Yachthafen, ankern in einsamen Buchten - wer träumt nicht auch mal von einem Urlaub auf dem Segelboot - auch wenn oder gerade weil er keinen Segelschein hat. Udo Fuellhaas macht solche Träume wahr. Der gebürtige Westfale hat vor sechs Jahren seinen Job in der IT-Branche aufgegeben und sich am Bodensee selbstständig gemacht. Nun ist er oft Tag und Nacht zusammen auf engstem Raum mit wechselnden Urlaubsgästen unterwegs - Koje an Koje.

Udo Fuellhaas hatte eigentlich einen klassischen Bürojob, hat immer im Büro gesessen und sich irgendwann gefragt: "Was machst du hier eigentlich? Du gehörst doch nach draußen!" Gedacht - getan: Inzwischen macht er rund 180 Segeltörns im Jahr, ist mit mitsegelnden 400 Gästen an 150 Tagen auf dem Bodensee unterwegs: "Da wird mir immer wieder bewusst, dass ich jetzt eigentlich meinen Traumjob habe."

Klar Schiff machen gehört zum Job eines Gäste-Skippers

Morgens, vor dem Törn, macht Udo klar Schiff. Auch das gehört zum Job. Aber er gibt zu, dass er es immer auch gerne hat, wenn es ordentlich und sauber ist. Davon sollen auch seine Gäste profitieren, sie sollen es schön haben beim Mitsegeln. Dazu gehört auch die Entleerung des Abwassertanks, wenn er voll ist durch die Benutzung der Toilette und der Spüle. Eklig sei das nur gewesen, als er es zum ersten Mal gemacht hat, schmunzelt der Skipper.

Kerstin und Christian Schmidt kommen an Bord, mit ihnen wird Udo die nächsten zwei Tage unterwegs sein. Viel weiß er noch nicht von ihnen. Aber das ändert sich schnell, als er sie mit seinem Segelboot bekannt macht: mit der Höhe der Kajüte, der Ausstattung, den Besonderheiten an Bord und des Segelns überhaupt - etwa sicher den Hafen zu verlassen, wenn gerade eine Fähre ankommt: "Da muss man halt drauf aufpassen, denn das sind Vorrangschiffe. Wären wir jetzt nicht ausgewichen, dann hätte der Fährkapitän wohl erstmal seine Hupe betätigt."

Lieber Bodensee als Nordsee, Ostsee oder Mittelmeer

Udo Fuellhaas segelt schon seit über 30 Jahren und seine höchste Qualifikation ist der Sport-Seeschifferschein. Das heißt, er kann kommerzielle Schifffahrt betreiben in der Nordsee, der Ostsee und im Mittelmeer. Das macht er aber alles nicht, weil er den Bodensee liebt, der für ihn "ein super schönes Revier" ist. Wenn er hier mit seinen Gästen unterwegs ist, lebt Udo auf engstem Raum mit ihnen zusammen, Koje an Koje. Alle paar Tage stellt er sich auf neue Menschen ein - auch auf ihre Eigenheiten und Sonderwünsche.

Udo und seine Gäste Kerstin und Christian lagen über Nacht in einer Bucht vor Anker. Am nächsten Morgen schwärmt Kerstin Schmidt: "Das Schaukeln vom Boot nachts, das ist wie wenn man in den Schlaf gewiegt wird. Das ist so schön." Die erst skeptisch beäugte Koje sei zwar über Nacht nicht größer geworden, "aber bequem ist es total! Dann haben wir hier unsere Luken, die man aufmachen kann, den Himmel sehen und das Wasserplätschern hören."

Mitsegeln auf dem Bodensee macht Fremde zu Freunden (Foto: SWR)
Mit einem Sprung zur Morgendusche im Bodensee: für Mitsegler Christian ein Erlebnis fürs Leben

Morgendusche im Bodensee - ein Erlebnis fürs Leben

Beim Frühstück an Bord hoffen sie noch mal guten Wind zu bekommen. Doch bevor sie wieder los segeln, kommt noch die "Morgendusche" im See. Für Kerstin Schmidt gibt es offenbar nichts Schöneres: "Das ist ein Erlebnis fürs Leben. Also davon werde ich noch lange zehren, wenn ich wieder im Büro sitze, im tristen Büro und denke: Wow, war das schön hier auf dem Bodensee mit Udo."

Udo Fuellhaas hat's mal wieder geschafft: In 24 Stunden sind aus Fremden Freunde geworden. Für ihn war es wieder einmal ein gelungener Segeltörn: "Ich liebe es. Ich liebe es schon seit Jahren und hoffe auch, dass ich das noch viele Jahre machen kann."

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