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Blätter, Bücher und Laptops auf dem Boden sind zum gewöhnlichen Anblick in der Uni in Freiburg geworden. Es wird an jeder Ecke gespart - auf Kosten der Lehrkräfte und Bibliothek.

Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil: 172.000 junge Leute studieren an den Universitäten des Landes Baden-Württemberg, Platz haben aber nur 147.000. Das macht sich auch in Freiburg bemerkbar. In der Bibliothek, berichten frustrierte Studenten, sei es unabhängig von der Uhrzeit immer schwierig, einen freien Arbeitsplatz zu finden. So seien viele gezwungen, schlicht auf dem Fußboden zu arbeiten.

Weniger Bücher und Datenbanken

Doch nicht nur an Tischen und Stühlen wird gespart. Die zentrale Wissensquelle der Studierenden, die Uni-Bibliothek, leidet auch unter verkürzten Öffnungszeiten und weniger Büchern für mehr Studierende. Das Angebot an Magazinen und Datenbanken in gedruckter und digitaler Form wurde schon eingeschränkt. Trotzdem reichten die 5,2 Millionen Euro schon letztes Jahr nicht für die Finanzierung der Bücher und Zeitschriften, so die Direktorin der Universitätsbibliothek Antje Kellersohn. "Einsparungen gehen vor allem zu Lasten der buchnahen Disziplinen", sagt sie, "in den Geisteswissenschaften, in Jura etc."

Das liegt unter anderem an den Betriebskosten, welche seit 1998 nicht mehr erhöht wurden, erklärt der Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer.

Zeitverträge sind die Regel

Geld fehlt besonders auch in den Bereichen Forschung und Lehre, der Kernkompetenz der Uni. Dort werden Stellen gespart und überwiegend - zu 88 Prozent - Zeitverträge abgeschlossen. So gestaltet sich die Familienplanung sehr schwierig für einige junge Wissenschaftler, die bei Ablauf eines solchen Vertrages auf der Straße stehen. Die Zeitverträge seien darin begründet, dass die Uni viele Forschungsprojekte über Drittmittel finanziert, die dann nur für eine begrenzte Zeit fließen.

Kampf gegen Teilzeitstellen

Um langfristige Arbeitsverträge kämpft auch Thomas Stieglitz, Professor für Mikrosystemtechnik. Er setzt sich zudem dafür ein, dass sein Team aus dreißig Wissenschaftlern auf ganzen Stellen arbeiten kann. Ein schwieriges Unterfangen, denn: Es gebe viele Teilzeitstellen, bei denen die Mitarbeiter tatsächlich aber das Vollzeitpensum leisteten.

Die Universität in Freiburg fordert zur Problembewältigung mehr Geld vom Land, derzeit wird in Stuttgart um einen neuen Hochschul-Finanzierungsvertrag gerungen. Er soll laut dem Wissenschaftsministerium Anfang 2020 stehen.

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