Familie in Garten (Foto: SWR, Martin Egle)

Geflüchtete Familie aus der Ukraine verzweifelt an Wohnheim

Hilfe in letzter Sekunde: Freiburger Schrebergarten als Notunterkunft für Ukrainer

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AUTOR/IN
Jan Ludwig
ONLINEFASSUNG
Ulrike Liszkowski

Die ukrainische Flüchtlingsfamilie Kovalenko hätte Deutschland aus Verzweiflung über ihre Wohnsituation fast wieder verlassen. Doch dann kamen sie einer Gartenhütte unter.

In der Gartenanlage in der Nähe von Freiburg kann Familie Kovalenko wenigsten ein bisschen durchatmen. Hier sind sie erst mal sicher. Geflohen waren sie vor drei Monaten aus Sjewjerodonezk, einer Stadt in der Ostukraine, die weitgehend zerstört ist.

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Geflüchtete verzweifeln in Freiburger Wohnheim

Auf ihrer Flucht vor dem Krieg in der Ukraine waren die Kovalenkos zunächst in einem Wohnheim in Freiburg gelandet. Aber auch dort fühlten sie sich nicht sicher, waren verzweifelt und wollten nur noch weg. Denn die Familie teilte dort das Zimmer mit einem Mann und seinem Kind, der Mann sei psychisch krank und aggressiv gewesen, erzählen sie. Sie hatten schon die Koffer gepackt, um nach Tschechien zu fahren, wo sie zumindest jemanden kennen.

"Zwei Familien drei Monate in einem Zimmer: die Konflikte wurden immer größer und drohten zu eskalieren. Es musste jemand gehen, bevor es in einer Katastrophe endet."

Der Hund war am Ende ihre Rettung

Von den deutschen Behörden habe ihnen zunächst niemand helfen können, sagen die Kovalenkos. Mit Hund gebe es wenig Chancen auf eine andere Unterkunft. Aber dann war es gerade ihr Hund, der ihnen zu einer neuen Bleibe in Freiburg verhalf. Er musste nämlich zum Tierarzt, weil er eine Herzschwäche hat. Das war rückblickend das größte Glück, wie Anastasia Kovalenko erzählt.

"Wir sind dann noch zum  Tierarzt wegen des Hundes, um Tabletten zu holen, und der Arzt hat uns Hilfe angeboten – der Hund hat uns als Familie sozusagen gerade noch gerettet."

Französische Bulldogge, die gestreichelt wird (Foto: SWR, Martin Egle)
Dora, der Hund der Familie Kovalenko aus Sjewjerodonezk Martin Egle

Der Tierarzt, Eugen Schumaiko, hat die Familie in letzter Sekunde davon abgehalten, Deutschland wieder zu verlassen. Er ist selbst Ukrainer und seit 15 Jahren Tierarzt in Freiburg. Als er vom Schicksal der Kovalenkos erfährt, will er helfen. Nur: Zuhause hat er bereits Flüchtlinge aufgenommen.

"Die letzte Option, die ich denen anbieten konnte, war die kleine Gartenanlage mit Hütte, da hat man wenigstens eine Sommerdusche, wo man sich abwaschen kann, und da hat man seine Ruhe, was die Menschen jetzt brauchen nach dem, was sie erlebt haben."

Im Schrebergarten kann die geflüchtet Familie aufatmen

Familie auf Bank im Garten (Foto: SWR, Martin Egle)
Familie Kovalenko in Freiburger Gartenanlage Martin Egle

Die Kovalenkos sind einfach nur froh, dass Tierarzt Eugen Schumaiko ihnen mit der Schrebergartenlaube sofort geholfen hat. Und der Retter selbst? Auf die Frage, warum er sofort geholfen hat, obwohl er doch schon Flüchtlinge in seiner Wohnung aufgenommen hat, antwortet er verwundert.

"Es gibt eine gute Übung, sich vorzustellen, wie es einem selbst gehen würde. Haus verloren, Krieg. Dann wäre die Antwort ganz einfach."

Neue Perspektiven nach der Auszeit im Schrebergarten

Inzwischen hat das Amt für Migration auf die SWR-Anfrage reagiert und mitgeteilt, dass man eine Lösung gefunden habe.

"Um die Situation kurzfristig zu beruhigen, zieht der Vater mit Tochter (...) aus der Unterkunft aus. Natürlich versuchen wir, für alle Beteiligten eine passende Lösung zu finden und es werden weitere Gespräche stattfinden, um herauszufinden, welche Probleme es gibt."

Für Familie Kovalenko könnte es damit schon bald wieder eine gute und friedliche Wohnmöglichkeit geben.

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