Ernüchternde Tourismus-Bilanz 2021

Hochschwarzwald: Weniger Gäste, aber höherer Anspruch

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AUTOR/IN
Dinah Steinbrink und Stephan Basters
ONLINEFASSUNG
Ulrike Liszkowski

Im Hochschwarzwald haben in den ersten acht Monaten des Jahres 2021 nochmals deutlich weniger Gäste übernachtet als im Corona-Jahr 2020. Vor allem ausländische Gäste fehlten.

Die Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) hat am Mittwoch in Titisee-Neustadt (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) Bilanz gezogen. Wie sie mitteilte, gingen die Übernachtungen 2021 nochmal um gut ein Viertel zurück, auf 1,54 Millionen. 2020 waren es 2,14 Millionen gewesen und im Rekordjahr 2019 noch 2,9 Millionen - jeweils von Januar bis August. Grund für den Rückgang der Übernachtungszahlen war laut HTG insbesondere der längere Lockdown bis Mitte Mai. Hotels, Ferienwohnungen, Pensionen standen über Monate alle leer. 2020 gab es das auch schon mal, aber nur für zwei Monate.

Im Sommer 2021 fehlten vor allem Gäste aus dem Ausland

Der Sommer sei insgesamt gut gewesen, so die Touristiker. Allerdings hätten die Gäste aus dem Ausland gefehlt. Alle aus Übersee, aus China zum Beispiel; und auch die Urlauber aus Israel blieben weg – von dort waren 2019 so viele gekommen wie aus fast keinem anderen Land. Und noch nicht einmal unsere Nachbarn kamen diesen Sommer in den Schwarzwald.

"Hier haben wir vor allem Frankreich und die Schweiz gemerkt. Es gab ja gerade zu Beginn auch noch Restriktionen, mit dem ständigen Testen und Masketragen. Das hat manchen nicht so gefallen."

Hochschwarzwald langfristig attraktiv - wenn Betriebe in Komfort investieren

Für die kommenden Wintermonate haben bislang ebenfalls weniger Menschen gebucht als zu dieser Jahreszeit üblich. Langfristig sollen aber wieder mehr Gäste in den Hochschwarzwald kommen. Dafür müssten die Betriebe investieren, etwas für die Gäste tun, sagt Rudolph.

Immer beliebter wird beispielsweise Urlaub auf dem Bauernhof, aber auch die Ansprüche der Gäste wachsen. Wellness, Whirlpool und Wohlfühlatmosphäre im Schwarzwald-Schick sind gefragt. Dass Touristen heutzutage mit höheren Ansprüchen kommen als früher, weiß auch Brigitte Müller im Kinzigtal (Ortenaukreis).

"Es ist ganz, ganz wichtig, dass man die Zeit erkennt und sagt okay, da könnte man den Komfort noch erweitern."

Immer mehr Höfe stellen auf den neuen Schwarzwaldtourismus um

Auch der Ospelehof in Hinterzarten (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) investiert in den Komfort seiner Gäste und baut großzügige Ferienwohnungen mit Wellnessbereich. Im Hofladen gibt es regionale Produkte sowie Kosmetika aus Kuhmolke. Hausgemachter Käse wird bei Gastro-Events angeboten.

"In den 1990-er Jahren war das Image vom Schwarzwald schon auch verstaubt. Die Reiseregion galt als unmodern und auch ein Stück weit als langweilig. Das hing auch damit zusammen, dass es einen starken Modernisierungsstau gab."

Die Investitionen in ein bisschen Luxus auf dem Bauernhof sollen sich auszahlen. Für Whirlpool und Privatsauna seien viele Gäste gern bereit, etwas mehr Geld auszugeben, glauben die Experten.

Ferienhof im Südschwarzwald (Foto: SWR)
Ferien auf dem Bauernhof sind beliebt - aber die Komfort-Ansprüche steigen
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Dinah Steinbrink und Stephan Basters
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