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Die wegen türkisch Sprechens an einer Grundschule in Blumberg (Schwarzwald-Bar-Kreis) erteilte Strafarbeit beschäftigt die Behörden weiter. Gegen eine Lehrerin, die Schulleiterin und eine Mitarbeiterin des Regierungspräsidiums sind Dienstaufsichtsbeschwerden eingereicht worden.

Das Kultusministerium in Stuttgart hat den Eingang der Dienstaufsichtsbeschwerden am Freitag bestätigt. Im Streit um die verhängte Strafarbeit geht es unter anderem darum, ob es an der Schule offiziell eine Vereinbarung darüber gibt, dass die Kinder auf dem gesamten Schulgelände nur Deutsch miteinander sprechen sollen. Schule, Schulamt und Kultusministerium sagen: Ja! Die Familie eines der türkischen Mädchens widerspricht über ihren Heidelberger Anwalt. Dieser hatte bereits Mitte Juli angekündigt, Dienstaufsichtsbeschwerde in der Sache gegen die Lehrkraft einzureichen.Die Lehrerin hatte nach Angaben des Anwalts für die halbseitige Strafarbeit vorgegeben: "Warum wir in der Schule Deutsch sprechen!"

Türkische Gemeinde empört über "Sprachverbote"

Die Türkische Gemeinde in Deutschland, die Föderation Türkischer Elternvereine in Deutschland und der Bund der türkischen Lehrervereine in Deutschland zeigten sich empört über den Vorfall im Schwarzwald-Baar-Kreis. In einem gemeinsamen Brief unter anderem an die Kultusministerkonferenz und die Grundschulleitung verlangten sie zudem eine Stellungnahme der Schule bezüglich des Vorgehens der Lehrerin. Der Fall beschäftigt die Schulaufsicht. Das Regierungspräsidium Freiburg kündigte eine Stellungnahme an.

"Kinder haben das Recht, ihre Muttersprachen zu sprechen. Dies muss für Französisch und Englisch genauso gelten wie für Türkisch, Arabisch oder Polnisch", so die Verbände. "Anstelle von Sprachverboten sollte vielmehr die Anerkennung, die Wertschätzung und die institutionelle Förderung der Mehrsprachigkeit und damit auch der Herkunftssprachen im Vordergrund stehen." Das Beispiel aus Südbaden zeige, dass es eine diskriminierende Haltung gegenüber dem Türkischen gebe. Dies gefährde den sozialen Frieden.

Stellungnahme des Schulamts Donaueschingen liegt noch nicht vor

Heike Spannagel, Sprecherin des Regierungspräsidiums Freiburg bestätigte, dass der Anwalt der betroffenen Familie Widerspruch gegen die Strafarbeit eingelegt habe: "Selbstverständlich nehmen wir derartige Vorwürfe einer Diskriminierung von Personen oder Gruppen sehr ernst." Das Staatliche Schulamt Donaueschingen sei gebeten worden, eine Stellungnahme der Schule einzuholen: "Eine abschließende Stellungnahme liegt uns noch nicht vor. Deshalb können wir auch derzeit keine Bewertung des Vorgehens der Schule, beziehungsweise der Lehrkraft abgeben."

Deutsch zu sprechen kann aus pädagogischen Gründen sinnvoll sein

Es gebe kein generelles Verbot, sich in der Schule oder gar in der Pause in einer nicht-deutschen Sprache zu unterhalten, betonte die Sprecherin des Regierungspräsidiums Freiburg. Allerdings gebe es auch Situationen, in denen es aus pädagogischen Gründen angezeigt sei, die Schülerinnen und Schüler dazu anzuhalten, auf Deutsch miteinander zu kommunizieren: "Dazu kann beispielsweise gehören, dass man sich bei Konflikten in einer für alle Beteiligten verständlichen Sprache ausdrückt."

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