Trachtenstickerin Gaby Moch (Foto: SWR)

Fastnacht hält altes Handwerk lebendig

Stich für Stich: Die Trachtenstickerin von Donaueschingen

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AUTOR/IN
Moritz Findeisen

Wenn die Donaueschinger Trachten-Gretle an der Fastnacht ihren großen Auftritt haben, dann stecken in ihren Kleidern hunderte Stunden Arbeit und Leidenschaft.

Ursprünglich war sie die Festtagskleidung der wohlhabenden Bäuerinnen, als Narrenhäs hat sie sich bis heute erhalten: die Donaueschinger Tracht. Bis zu 400 Stunden Arbeit stecken in den reichen Silberstickereien, die das Mieder, den Schulterkragen und den Gürtel der traditionellen Frauenbekleidung zieren. Gaby Moch hält die alte Handarbeitskunst am Leben: Ihre Leidenschaft gilt der Trachtenstickerei. Mit 18 Jahren hat sie die Technik von einer Altmeisterin gelernt. Heute ist sie 66 und gibt ihr Wissen an die nächste Generation weiter.

Expertin gibt ihr Wissen weiter

Jeden zweiten Dienstag treffen sich Gaby Moch und die übrigen Trachtenstickerinnen im Obergeschoss des Donaueschinger Narrenmuseums – zumindest, wenn nicht gerade Pandemie ist. Dann zeigt die Expertin, wie man mit feiner Nadel die unzähligen Stiche setzt. Es wird gestickt, gefachsimpelt – und sich in Geduld geübt. Das Stickfieber ergreift Frauen in jedem Alter und wenn die eigene Tracht dann vollendet ist, tragen sie sie mit umso mehr Stolz.

"Geduld, man braucht sehr viel Geduld. Aber man bekommt sie auch, eben weil das Sticken so eine geduldige Arbeit ist."

Trachtenstickerin Gaby Moch (Foto: SWR)
Trachtenstickerin Gaby Moch

Unterstützt werden die Frauen von Gaby Mochs Mann Herbert. Der 73-Jährige ist die gute Seele des Narrenmuseums. Aus dickem Pappkarton sticht er die filigranen Blumenmuster für die Trachten aus. Die werden anschließend auf den Stoff geheftet und mit kostbarem Silbergarn bestickt.

"Sprengtechnik" bewahrt den Silberglanz

Würde man das Garn mit der Nadel durch den festen Samtstoff ziehen, würde es seine Silberummantelung verlieren. Deshalb wird es über den Kartonmustern hin- und hergeführt und von der Rückseite mit einem dünnen Faden angeheftet. Sprengtechnik nennt sich die alte Methode, die den Stickereien ihre charakteristische Tiefenwirkung verleiht.

"Wenn die Tracht dann fertig ist und man mit seinem Hansel durch die Stadt hopsen darf, ist einfach ein tolles Gefühl."

Getragen wird die Tracht am Fastnachtssonntag. Dann begleitet das so genannte Gretle seinen Hansel, den Donaueschinger Weißnarr, beim Umzug durch die ehemalige fürstliche Residenzstadt. Die früheste Erwähnung der weiblichen Narrenfigur stammt aus dem Jahr 1783. Dass die lokale Festtracht damals Einzug in das Fastnachtsbrauchtum gehalten hat, war ein Glücksfall: Während sie anderenorts im 19. Jahrhundert durch die bürgerliche Kleidung verdrängt wurde, blieb die Tracht in Donaueschingen erhalten.

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Moritz Findeisen