Tierarzt impft im Akkord (Foto: SWR, Dorothea Dörner)

Geflüchtete aus der Ukraine

Freiburger Tierarzt impft ukrainische Haustiere im Akkord

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Dorothea Dörner

Viele Menschen aus der Ukraine haben ihre Tiere mit auf die Flucht genommen. Doch die Tiere brauchen einen EU-Pass. Das stellt Tierarztpraxen in Deutschland vor Herausforderungen.

Die Tage von Tierarzt Eugen Schumaiko in Freiburg sind derzeit voll und lang. Er bietet ukrainischen Geflüchteten an, ihre Tiere zu impfen und zu chippen. Und die Nachfrage ist groß. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer haben ihren Hund, ihre Katze aus dem Kriegsgebiet mitgebracht.

Der Vorteil: Eugen Schumaiko kommt selbst aus der Ukraine und kann sich mit den Besitzerinnen und Besitzern in ihrer Muttersprache unterhalten. Unter anderem mit Julia und ihrer Mutter. Gemeinsam mit ihrer Katze Nala haben sie tagelang in einem Bunker ausgeharrt, bevor sie zusammen flüchten konnten. Nun sind sie hier mit Nala hier in Freiburg angekommen.

"Mich erstaunt, dass die Leute, trotz aller Schwierigkeiten, mit so vielen Tiere gekommen sind. Die haben mit den Tieren in den Bunkern gesessen."

Die Europäische Union erkennt allerdings den ukrainischen Impfpass nicht an. Das heißt, Schumaiko muss Nala erneut impfen, etwa gegen Tollwut, und dann chippen. Anschließend muss die Katze drei Monate in Quarantäne - so wie alle anderen Tiere ohne Chip.

Medikamente und Impfstoffe werden aus Spenden finanziert

Kaum sind die einen raus, kommen die nächsten: Hündin Monia und Dimytri. Seit 20 Jahren ist Monia an der Seite ihres Herrchens. Die beiden sind schon seit ein paar Wochen in Deutschland, doch Monia hat das Fressen hier nicht vertragen. Eine Augenentzündung war die Folge - heute ist Nachkontrolle. Eigentlich wollte Eugen Schumaiko Behandlungen und Impfungen umsonst anbieten. Doch es kamen immer mehr Besitzer mit ihren Tieren. Aktuell werden die meisten Medikamente aus Spenden finanziert. Auch das Chippen.

Tierarzt impft im Akkord (Foto: SWR, Dorothea Dörner)
Hündin Monia mit Herrchen Dimytri. Dorothea Dörner

Tierarzt bietet Hilfe über soziale Medien an

Dass es einen ukrainischen Tierarzt in Freiburg gibt, hat sich schnell herumgesprochen. Auch dank der sozialen Medien. Und so erreicht an diesem Tag eine Nachricht den Tierarzt. "Eine Anna hat geschrieben", sagt er, und schaut aufs Handy. Sie sei aus Charkiv geflüchtet, direkt aus einem Bunker, und habe nur das Wertvollste mitgenommen: sich selbst und ihren Hund. Sie möchte wissen, ob Schumaiko ihnen helfen kann.

Rund 100 Hunde und Katzen aus der Ukraine hat der Tierarzt in den vergangenen Wochen behandelt. Und das Impfen und Chippen wird auch in den nächsten Tagen weitergehen.

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