Teure Spritpreise in Deutschland - Tanktourismus wegen ein  paar Cent lohnt vielen Südbadenern den Aufwand nicht (Foto: SWR, Petra Jehle)

Grenzgebiet zu Schweiz und Elsass

Teure Spritpreise: Lohnt sich Tanktourismus im Dreiländereck?

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Deutsche Spritpreise kennen gerade nur eine Richtung - die zeigt nach oben. Südbadnerinnen und Südbadenern könnten sich da Tank-Alternativen jenseits der Grenzen bieten.

Autofahrerinnen und Autofahrer stöhnen, wenn der Tank mal wieder leer gefahren ist und sie mit dem Auto an die Zapfsäule müssen: Ein Ende der hohen Spritpreise in Deutschland ist nicht absehbar - im Gegenteil. Nicht nur in Südbaden fragt man sich da: Wo kann man Geld sparen? Wo nicht? Für wen lohnt sich Tanktourismus - etwa in die Schweiz oder ins Elsass - und für wen eher nicht? Die SWR-Reporterinnen Petra Jehle und Christine Veenstra haben sich im Dreiländereck umgesehen:

Die Tankpistole brummt und die Preisanzeige an der Zapfsäule dreht sich, dass es einem schwindelig werden könnte. Auf der deutschen Seite der Grenze sind die Tankstellen an diesem Vormittag leerer als sonst. In der Schweiz dagegen sind wieder mehr Kunden mit deutschem WT-Autokennzeichen für Waldshut zu sehen. Mit Reportern wollen die sogenannten "Tanktouristen" nicht reden. Doch der Besitzer einer Schweizer Tankstelle am Waldshuter Grenzübergang sagt: "Wir merken das schon, dass deutsche Automobilisten in die Schweiz zum Tanken kommen, weil doch ein deutlicher Preisunterschied besteht."

Wegen 17 Cent in die Schweiz? Vielen lohnt der Aufwand nicht

Je nach Treibstoffart, Tageszeit und Tankstelle lag der Preisunterschied an diesem Vormittag bei bis zu 17 Cent pro Liter. Doch dafür muss man schon genau hinsehen und genau wissen, was man wann und wo tanken will. Einem Autofahrer ist das viel zu mühsam, er tankt weiter auf der Waldshuter Seite des Rheins: "Das ist mir zu kompliziert zum Tanken in die Schweiz zu fahren. Viele arbeiten ja in der Schweiz und tanken automatisch dort, klar - aber wenn man im Zoll stehen muss, die Kontrollen - also, der Zeitaufwand …" Wer mehr als 25 Kilometer zur Grenze fahren muss oder Diesel tanken will, für den rechnet sich der Umweg nicht.

Vor kurzem standen Elsässer an Kehler Tankstellen Schlange

Auch an der deutsch-französischen Grenze hat der steigende Spritpreis das Bild an deutschen Tankstellen verändert. SWR-Reporterin Christine Veenstra arbeitet in diesem Gebiet: "Es ist noch nicht lange her", berichtet sie, "da waren die Unterschiede bei den Spritpreisen in Frankreich und in Deutschland so groß, dass etwa in Tankstellen in Kehl französische Autofahrer regelrecht Schlange standen, um günstig zu tanken. Jüngst lag der Liter Diesel in Straßburg ungefähr bei 1,63 Euro, gegenüber in Kehl bei 1,59 Euro. Das bietet jetzt nicht das riesen Sparpotenzial und mein Eindruck ist, da ist kaum jemand bereit über die Grenze zu fahren, um dort zu tanken."

Spritpreise und Steuern - Entwicklungen kaum vorhersehbar

Ein Grund für die Preisunterschiede sind die verschiedenen Steuern in den jeweiligen Ländern: für Mineralöl, Mehrwertsteuer und CO2-Abgaben. Das sind auch politische Entscheidungen, genau vorhersagen lässt sich die Entwicklung der Treibstoffpreise deshalb kaum. Doch die Unterschiede beim Preis könnten noch zunehmen, meint Andreas Müller vom ADAC Freiburg: "Also innerhalb der EU gehe ich davon aus, dass die Verantwortlichen in den Regierungen versuchen, das Preisgefüge stabil zu halten. In der Schweiz ist das natürlich weitaus schwieriger. Da kommt dann vielleicht auch noch hinzu, dass wir hier in Deutschland Preissprünge haben - an manchen Tagen ändert sich der Preis bis zu sechsmal. In der Schweiz ist es gesetzlich untersagt mehr als einmal pro Tag die Preise anzuheben."

Preise beobachten und Tankentscheidung genau abwägen

Die Autofahrerinnen und Autofahrer an der Grenze werden die Preisentwicklung in den Nachbarländern vermutlich weiter genau beobachten. Die Tankstellenbetreiberinnen und -betreiber entlang der Grenze müssen es nehmen, wie es kommt: "So glücklich ist das Ganze natürlich auch nicht, dann leben wir ja mehr oder weniger nur noch vom Shop, statt von der Tankstelle", heißt es auf deutscher Seite. Ein Schweizer Tankwart sagt: "Wir kennen es eigentlich gar nicht anders. Es ist immer eine Art Gratwanderung - mal so, mal so. Es ist wirklich ein Rappen-Geschäft."

Und diesen Rappen - oder in Deutschland den Cent - den müssen viele Autofahrerinnen und Autofahrer derzeit zweimal umdrehen.

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