Testpflicht in Rheinland-Pfalz ab Inzidenz von 35 (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Matthias Bein)

Nachgefragt in Freiburger Friseursalons

Testregel für Ungeimpfte: Impfdruck oder Impfpflicht durch die Hintertür?

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Ohne Negativtest bleiben Nicht-Geimpfte und Nicht-Genesene im öffentlichen Leben eingeschränkt. Wie sehen das Freiburger Friseure und ihre Kunden?

Ob im Kino, im Fitnessstudio, im Restaurant oder beim Friseur - seit zwei Wochen gilt: Wer nicht gegen Corona geimpft ist oder eine Infektion durchgemacht hat, muss in vielen Einrichtungen einen aktuellen negativen Test vorzeigen - ganz unabhängig davon, wie hoch die Inzidenz in dem jeweiligen Landkreis ist. Das steht in der neuen Verordnung des Landes, die am 16. August in Kraft getreten ist. SWR Reporter Tobias Dinkelborg hat dafür bei Passanten in Freiburg und in Freiburger Friseursalons nachgefragt. Die Meinungen sind differenziert: "Das sehe ich gar nicht als Impfpflicht. Keiner muss sich impfen lassen, er muss halt dann nur die Konsequenzen dafür tragen. Vielleicht ist es eine Art Impfpflicht durch die Hintertür, aber ich betrachte es eher als einen Druck. Vielleicht sind einige dabei, die dann wirklich ihr Gehirn einschalten. Letztendlich ist es ja nur ein Akt für die anderen. Ich würde auch einer Impfpflicht positiv gegenüberstehen. Es ist ganz sicher keine Impfpflicht. Ein Impfdruck ist es ganz bestimmt."

Beim Gedanken an die generelle Testpflicht für Ungeimpfte legt sich die Stirn von Sabine Becker in Sorgenfalten. Becker ist Obermeisterin bei der Friseurinnung Freiburg Breisgau-Hochschwarzwald. Durch die neue Regel hätten die Friseurbetriebe deutlich mehr Aufwand als zuvor: "Im Prinzip müssen wir wieder die ganze Kontaktnachverfolgung machen, also neben den Kontaktdaten auch aufschreiben, von wann bis wann der Kunde da ist. Ob er getestet, geimpft oder genesen ist. Gegebenenfalls sogar einen Test machen, wenn man das kann, wenn man das Zertifikat hat. Den Kunden zu testen, das sind dann nochmal fünfzehn Minuten, die man abwarten muss, bis die Auswertung da ist und man den Kunden bedienen kann. Man hat mehr Aufwand, braucht mehr Zeit für die einzelnen Kunden."

 Friseurinnung befürchtet Mehraufwand und Einbußen

Neben dem zeitlichen Mehraufwand befürchtet die Innungsmeisterin auch finanzielle Einbußen. Seit dem ersten Lockdown hätten die Friseursalons ohnehin mit einem Kundenschwund zu kämpfen. Durch die neue Testpflicht könnten noch mehr Kunden wegbleiben, so Becker: "Ich denke mal, dass wird im Oktober das Problem werden, wenn die Tests dann wirklich kosten. Dann werden das nochmal ganz große Einbußen sein. Diejenigen, die sich nicht impfen lassen möchten, die werden sich auch weigern, so einen Test zu machen. Und die suchen sich dann natürlich einen anderen Weg, wie sie die Haare gemacht kriegen. Selbermachen oder Schwarzarbeit, das blüht natürlich in dieser Zeit wahnsinnig."

Freiburger Friseure: kaum Terminabsagen wegen neuer Regel

Aber im Moment kommen die Betriebe in Freiburg und Umgebung offenbar noch gut zurecht. Auf SWR-Anfrage gaben nur drei von rund 15 Friseuren an, dass sie wegen der neuen Regelung Terminabsagen hatten. Einige Salons sind in den nächsten Tagen komplett ausgebucht. Die meisten haben Stammkunden, die entweder schon vollständig geimpft oder bereit sind einen Test nachzuweisen. Viele Passanten in Freiburg meinen: Die neue Regelung ist vor allem aus Sicht des Infektionsschutzes sinnvoll: "Ich finde, das ist eine Sicherheit für uns alle und auch für die Geimpften - ich bin dafür. Irgendwie muss man das ja in den Griff kriegen. Ich glaube, es trägt nur zum Wohle aller bei. Wer sich jetzt nicht impfen lassen will, kriegt's auf jeden Fall hin, sich testen zu lassen. Jeder hatte jetzt die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Und ich sehe nicht ein, warum ich wegen denen, die es bisher nicht gemacht haben, mich noch weiter einschränken soll."

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