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Trockene Bäume, Stürme, Schädlinge: Baden-Württembergs Wald - gestresst und geschädigt. Forstexperten müssen Lösungen finden und dabei Fragen für die Zukunft klären: Vor allem, welche Bäume in 50, 100 oder 200 Jahren mit Klima-Veränderungen und zunehmender Trockenheit klarkommen.

Regen. Und Schnee. Die letzten Monate haben dem Wald geholfen. Und doch: "Obwohl es gefühlt ja richtig viel Schnee war, dieses Jahr und richtig nass teilweise, ist es jetzt noch nur Normalzustand. Mehr würde noch längst nicht schaden. Also wir würden gerne noch mehr nehmen", sagt Berno Menzinger, Förster in Freiburg. Denn die Dürre, nun schon drei Jahre in Folge, setzt den Bäumen immer mehr zu, so Menzinger weiter: "Man sieht hier dem Wald einfach sehr deutlich die letzten Trockenjahre an. Haupt-Leidtragende bei uns im Wald waren jetzt die Fichte, die Tanne und die Buche."

Fast die Hälfte des Waldes im Südwesten ist deutlich geschädigt. Immer mehr Bäume müssen gefällt werden. Wegen der Trockenheit produzieren die Bäume außerdem kaum noch Harz, mit dem sie sich vor Schädlingen wie den Borkenkäfern schützen können – die den Winter übrigens gut überlebt haben.

Längst arbeiten Förster und Wissenschaftler am Wald der Zukunft. Suchen nach Baumarten, die mit zunehmend trockenen und extremen Standorten zurechtkommen. Wie die Stieleiche, die die Buche künftig ersetzen könnte. In fünfzehn Meter Höhe schneiden Forstexperten Stieleichen-Zweige, um den Baum zu vermehren.

"Die Bäume, die heute gut dastehen, haben natürlich auch eine besonders gute Widerstandkraft. Von daher sind das unsere Individuen, die wir natürlich gerne herausgreifen."  

Manuel Karopka, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt BW

Stieleiche statt Buche, Douglasie statt Fichte: Die Experten setzen auf klimaresistentere Baumarten. Und auf Vielfalt, sagt Karopka weiter: "Wir können den ganzen Klimawandel-Prozess noch nicht bis ins letzte Detail voraussehen. Mit einer hohen Artenvielfalt haben wir einfach wesentlich mehr Individuen, eine höhere Vielfalt, die sich jeweils individuell auf Klimawandel-Prozesse einstellen kann. Also wenn uns nachher beispielsweise dann doch Buchen schwerpunktmäßig ausfallen, haben wir dann vielleicht Ahornarten, Kirschen oder Eichen, die mehr auch diese Rolle übernehmen können.“

Ein paar Kilometer weiter im Freiburger Stadtwald werden Helfer der Bundeswald-Inventur geschult. Die findet alle zehn Jahre statt und startet Anfang April. Sie wird zeigen, in welchem Zustand der Wald ist und wo nachjustiert werden muss – für einen Wald mit Zukunft.

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