Ein über 400 Jahre alter Gemarkungsplan der Stadt Freiburg wird am Augustinermuseum gerade aufwendig restauriert. (Foto: SWR)

Tag der Restaurierung

Werkstattbesuch bei Restauratorinnen im Augustinermuseum Freiburg

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AUTOR/IN
Sebastian Bargon
ONLINEFASSUNG
Gabi Krings

Wie saniert man einen über 400 Jahre alten Gemarkungsplan? Im Augustinermuseum Freiburg haben am Sonntag zwei Restauratorinnen Einblicke in ihre Arbeit gegeben.

1607 ist der "Korntawerplan" entstanden: der Gemarkungsplan von Freiburg zeigt die von Mischwäldern umgebene Stadt. Das viereinhalb Meter lange, großformatige Ölgemälde liegt auf einem höhenverstellbaren Tisch in der Restaurierungswerkstatt im Kaiserfenster Foyer des Augustinermuseums Freiburg.

Firnis muss entfernt werden

Zwei Frauen, ausgestattet mit Lupenbrillen, Mikroskopen, Wattestäbchen und Lösungsmitteln, beugen sich über die rund 400 Jahre alte Leinwand und arbeiten an der umfassenden Restaurierung des Gemarkungsplans. "Gereinigt wurde er schon", erklärt Isabelle Rippmann, eine der beiden Restauratorinnen. Nun gelte es, den Firnis, also die transparente Schutzschicht des Gemäldes, abzunehmen.

"Der Firnis ist nicht original und vergilbt. Das ist ein Naturharz und der platzt teilweise schon ab und beeinträchtigt die originale Malerei in ihrer Farbigkeit."

Hochkonzentriert arbeitet Rippmanns Kollegin Nina Bongolan-Vedsted derweil an der Firnis-Abnahme weiter. Das ist absolute Präzisionsarbeit. Um genau zu sehen, wo sie arbeite und was sie wegnehme oder was genau unter dem Firnis zum Vorschein komme, benutze sie eine helle Tageslichtlampe und UV-Licht, erläutert die Restauratorin. Damit sehe man zum Beispiel auch alte Kittungen.

"Alte Kittungen fluoreszieren stark unter UV-Licht. Da weiß man dann, wo etwas gemacht wurde und wo die Originalsubstanz nicht mehr vorhanden ist."

Historisches Ölgemälde ist in schlechtem Zustand

Das Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert wurde wegen seiner Größe lange Zeit auf einer Rolle im Depot des Augustinermuseums aufbewahrt. Als es 1995 zur Jubiläumsausstellung "875 Jahre Freiburg" gezeigt werden sollte, stellte sich heraus, dass es sich durch die lange Lagerung in einem schlechten Zustand befand. Nun soll der "Korntawerplan"  bis 2023 umfangreich restauriert werden und danach im Augustinermuseum einen neuen Platz finden. Denn der nach dem Kartografen Job Korntawer benannte Gemarkungsplan ist von großer historischer Bedeutung: War er doch Anfang des 17. Jahrhunderts so etwas wie die Kreditkarte der Stadt Freiburg, sagt der Professor für Wald- und Forstgeschichte Uwe Schmidt.

"Das war wichtiger als Geld, weil man mit dieser Karte dokumentieren konnte, dass man die Nutzungsrechte an diesen Ländereien hat. Ganz wesentlich auch die Grenzsteine, die in einem Zusatzverzeichnis genau lokalisierbar sind."

Für Besucherinnen und Besucher ist es spannend zu sehen, mit welcher Akribie und welchem großen Aufwand die Restauratorinnen vorgehen, um den "Korntawerplan" zu sanieren. Die Arbeiten lassen sich auch noch die kommenden Wochen durch die gläserne Live-Restaurierungswerkstatt im Augustinermuseum Freiburg verfolgen.

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