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Die Katholische Kirche hat gerade viele Baustellen: Die Frauen revoltieren, verlangen Gleichberechtigung. Dazu der Missbrauch-Skandal und Kirchenaustritte in nie da gewesenem Ausmaß. Der Freibuger Erzbischof Stephan Burger im Gespräch bei "SWR1 Leute".

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger muss aktuell viele Herausforderungen meistern. Wie geht er mit dem Ruf nach Erneuerung um? In SWR1-Leute hatte sich der Erzbischof von Freiburg, Stephan Burger, am Freitag dazu geäußert. Vorab hat SWR-Reporterin Gabi Krings den Geistlichen vorgestellt:

Bei seiner Bischofsweihe im Juni 2014 im Freiburger Münster sagte Stephan Burger – damals 52 Jahre alt – bescheiden: "Man setzt sich nicht als Ziel, Erzbischof zu werden." Auch Wegbegleiter wie sein einstiger Studienkollege Thomas Herkert von der Katholischen Akademie Freiburg bestätigen, dass er nie nach Macht gestrebt hatte. Nach dem Weiheamt allerdings schon: "Stefan Burger ist kein Karrierist, sein Ziel war es Pfarrer zu werden."

Schon als Kind Gottesdienst gespielt

Aufgewachsen ist Burger in Löffingen im Hochschwarzwald, in einer fromm-katholischen Familie als eines von vier Kindern. Schon der kleine Stephan habe am liebsten Gottesdienst gespielt, erzählt man sich. So war es nur folgerichtig, dass er nach der Realschule auf das Internat Hersbach am Bodensee ging und danach Theologie studierte. 1995 wurde Burger schließlich Pfarrer in St. Leon-Roth (Rhein-Neckar-Kreis) und 2007 wechselte er - nach einem Zusatzstudium in Kirchenrecht - ans Kirchengericht der Erzdiözese Freiburg. Sieben Jahre später ernennt ihn Papst Franziskus zum Erzbischof: "Man stutzt natürlich schon, wenn die Wahl auf einen fällt, weil man damit nicht gerechnet hat."

Kein Verfechter der Frauen-Weihe

Der als konservativ geltende Oberhirte versteht sich seither als Brückenbauer. Zu umstrittenen Themen wie dem Diakonat für Frauen bezieht er nicht eindeutig Position: "Ich persönlich werde mich offiziell nicht auf die eine oder andere Seite stellen, sonst sind wir sofort in diesem Rechts-Links-Denken. Und das mach ich nicht", sagte Burger zur Kirchen-Frauenbewegung Maria 2.0 und betonte gleichzeitig die wichtige Funktion von Frauen, denen er innerhalb seiner Möglichkeiten auch mehr Verantwortung zugestehen will. Allerdings könne und wolle er sich in dieser Frage nicht gegen Rom stellen.

Ein Mann mit Brille (Foto: SWR)
Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger kündigt Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal an

Beim Missbrauch-Skandal hört der Gehorsam auf

Beim Missbrauch-Skandal allerdings - mit vielen Fällen auch im Erzbistum Freiburg - höre der Gehorsam auf. Burger zeigt sich sehr ergriffen über das Leid, das Geistliche unzähligen Menschen zugefügt haben: "Das sind schon Momente, wo man fragt, wie das in der Kirche geschehen und passieren konnte. Das belastet!" Der Erzbischof setzt hier klare Zeichen: Schluss mit Vertuschung, eine schonungslose Aufarbeitung - auch mit der Staatsanwaltschaft und externen Missbrauch-Beauftragten soll Licht in dieses dunkle Kapitel bringen. Auch die Opfer werden erstmals ernst genommen und gehört. Es fließen erste Entschädigungszahlungen.

"Rezitiert gern Wilhelm Busch und lacht viel"

Burgers Amtszeit belastet auch der Skandal über nicht abgeführte Sozialabgaben des Bistums in Millionenhöhe. Hinzu kommt ein nie da gewesener Mitgliederschwund und damit verbunden ein Einbruch der Kirchensteuern, was ihn zu umgreifenden Reformen zwingt. Doch trotz Gegenwind an allen Ecken und Enden: "Er ist ein sehr humorvoller Mensch, er lacht viel", beschreibt ihn seine Büroleiterin Anita Leimgruber. "Zum Beispiel rezitiert er immer mal wieder Wilhelm Busch oder andere Gedichte aus seiner Kindheit und Jugend. Und das mitten im Büro-Alltag." Es sei dieses Menschliche, was die Frau, die schon 13 Jahre an Burgers Seite arbeitet, so schätzt. Neben seiner strukturierten und unaufgeregten Art gefällt ihr vor allem auch, dass er sich nicht von ihr bedienen lässt: "Kein Kaffee, kein Wasser, kein nichts. Nur wenn es im Sommer mal sehr heiß ist, trinkt er ein Glas Wasser. Das holt er sich aber selbst aus dem Schrank."

Erzbischof Burger während einer Messer  (Foto: dpa Bildfunk, Patrick Seeger)
Patrick Seeger

"Ein Bischof mit Leib und Seele"

Burger sei mit Leib und Seele Erzbischof, erzählt die Büroleiterin. Er arbeite oft bis spät in die Nacht. Das Bischofsamt sei für ihn Berufung, bestätigt auch Bistumssprecher Michael Hertl. Doch die Funktion als Oberhirte einer der größten Diözesen in Deutschland sei angesichts der vielen Herausforderungen nicht immer angenehm: "Das ist seine Aufgabe, aber Vergnügen ist es in den wenigsten Fällen für ihn, glaube ich."

Entspannung finde der 58-Jährige bei einem Glas Wein oder auch beim Wandern und natürlich im Glauben, so der Bistumssprecher: "Im Gottesdienst geht er voll auf. In der Liturgie, da blüht er auf, er singt ja gerne." So wie Stephan Burger das auch schon als Kind getan hat. Die schon früh gespürte Berufung: der Freiburger Erzbischof zögert nicht, sie auch in schwierigen Zeiten beherzt zu leben.

Erzbischof von Freiburg | 17.7.2020 Stephan Burger

Leitet in kirchenpolitisch schwierigen Zeiten eine der größten deutschen Diözesen | SWR1 Leute  mehr...

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