Sebastian Bargon (Foto: SWR)

INTERVIEW-REIHE DES SWR STUDIOS FREIBURG

SWR lädt Boris Palmer zum "Himmlischen Dinner"

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Beim "himmlischen Dinner" konfrontiert SWR-Redakteurin Ina Held den Grünen-Politiker und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer gleich zu Beginn mit einer provokanten Frage.

Der umstrittene Grünen-Politiker und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ist am Donnerstagabend im Inklusionsbetrieb Hofgut Himmelreich in Kirchzarten zu Gast gewesen. Gleich zu Beginn des Gesprächs fragt ihn SWR-Redakteurin Ina Held: "Sind Sie schon mal irgendwo rausgeflogen?" – Antwort: "Ja, im Französischunterricht". Der Pennäler Palmer hatte auf die Ankündigung der Waldorf-Lehrerin "Jetzt geht´s um die Wurst!" schlagfertig geantwortet, dass ihm Salat lieber sei.

Schwieriges Verhältnis zum Vater

Schnell entwickelt sich zwischen den vier Gängen ein munteres Gespräch, in dem Palmer über Heimat, Dialekt, Kindheit, Jugend und seinen Vater Helmut, den "Remstal Rebellen", berichtet. Der Obsthändler und Umweltschützer hatte rund dreihundert Mal als parteiloser Kandidat erfolglos bei Bürgermeisterwahlen in Baden-Württemberg kandidiert. Boris Palmer war bei vielen Wahlveranstaltungen, bei denen der Vater fünf Mark Eintritt verlangte und bekam, dabei. Der Achtjährige musste zu Beginn der Veranstaltungen, zu denen mitunter 1.000 Interessierte kamen, immer folgenden Spruch aufsagen: "In der Politik ist es wie beim Baumschneiden. Man muss die oberen stutzen, damit die unteren mehr Licht kriegen!". Dafür bekam der Junior viel Applaus und trat stolz von der Bühne ab.

Später war ihm der Vater mitunter peinlich, erzählt Palmer, denn der "Gerechtigkeits-Fanatiker" saß wegen Beamtenbeleidigung 18 Monate im Gefängnis. Um zu zeigen, dass er kein Dummkopf sei, faxte der Autodidakt das Einser-Zeugnis seines Sohnes an die Presse. Palmer Junior gibt zu, genetisch bedingt, mitunter zu impulsiv zu reagieren, will sich aber den Mund partout nicht verbieten lassen. Auch nicht von seiner Partei, der Ökologie nicht mehr so wichtig sei wie früher.

Motivation für dritte Amtszeit als Tübinger Oberbürgermeister

Der 49-Jährige will sich in der Weihnachtszeit entscheiden, ob er sich für eine dritte Amtszeit  bewerben wird oder nicht.  Dass es ihm nicht an Motivation mangelt, hat er beim "himmlischen Dinner" durchblicken lassen. Palmer sagte, dass er gerne das vor einem Jahr beschlossene Tübinger Klimaschutzprogramm umsetzen würde. Dieses enthalte konkrete Maßnahmen, um die Stadtgesellschaft bis 2030 klimaneutral zu gestalten.

Auch zum laufenden Partei-Ausschlussverfahren des Landesparteitags der Grünen äußert sich Boris Palmer beim "Himmlischen Dinner". Es steht seit einem halben Jahr im Raum, Palmer sieht dem gelassen entgegen. Das Publikum fühlt sich gut unterhalten und verlässt das Hofgut Himmelreich um einige Erkenntnisse und Kalorien reicher.

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