Gesichtserkennung (Foto: SWR)

Beamte mit dem Wiedererkennungsgen

Wenn die Spur ein Gesicht ist: "Super-Recogniser" in der Ortenau im Einsatz

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Als drittes Polizeipräsidium in Baden-Württemberg setzt Offenburg Polizeibeamte mit außergewöhnlichem Wiedererkennungstalent ein. Sogenannte "Super Recogniser" helfen bei den Ermittlungen auf ganz besondere Weise.

Sebastian Richau ist Kriminaloberkommissar im Bereich Cybercrime und digitale Spuren. Seine Arbeit bei der Kripo Offenburg dreht sich vor allem um Computersysteme, weniger um Menschen. Privat hat er aber hier und da bemerkt, dass er ein Talent hat, sich Gesichter zu merken - vor allem, wenn er Filme schaut.

In wenigen Sekunden ist ein Gesicht gespeichert

Unbekannte Schauspieler erkenne er häufig wieder, so schildert der Polizist. Und wenn er dann prüfe, wo er oder sie vorher mitgespielt hat, dann stelle er häufig fest, dass er diese Filme Jahre zuvor gesehen habe und die Schauspieler nur für wenige Sekunden auftauchten. "Ich kann mich teilweise noch an diese Szene erinnern und weiß, ich kenne dieses Gesicht."

Dass dieses Phänomen auf eine besondere, angeborene Fähigkeit zurückgeht, das wurde Sebastian Richau allerdings erst klar, als sein Arbeitgeber, das Polizeipräsidium Offenburg, auf die Suche nach sogenannten "Super Recognisern" ging.

Erfolg bei den Ermittlungen zur Stuttgarter Krawallnacht

Ein bis zwei Prozent der Menschen sollen das sogenannte Wiedererkennungsgen besitzen, das dafür sorgt, dass sie sich Gesichter ungewöhnlich gut merken und wiedererkennen können. Wie hilfreich das für die Polizeiarbeit sein kann, hat sich in Baden-Württemberg schon gezeigt.

Super-Recogniser in Offenburg im Einsatz (Foto: Polizeipräsidium Offenburg)
Polizeipräsidium Offenburg

"Nach der Krawallnacht in Stuttgart war es so, dass die "Super Recogniser" eingesetzt wurden und dort Erfolge erzielen konnten. Auf diesen Zug wollen wir aufspringen", so erklärt Philippe Kern, der in Offenburg die Arbeitsgruppe "Super Recogniser" leitet.

Anstrengende Testphase mit hunderten Bildern

Offenburg ist nach Stuttgart und Konstanz das dritte Polizeipräsidium, das "Super Recogniser" ausfindig gemacht hat. In Kooperation mit der Universität Greenwich wurde dazu allen 1.500 Beschäftigten ein Test angeboten.

In drei Phasen wurden ihre Fähigkeiten beim Merken und Erkennen von Gesichtern geprüft. Hunderte Fotos und Videos haben die Probanden verglichen. 35 von ihnen stachen dabei besonders hervor, so wie Sebastian Richau. "Das war sehr anstrengend. Es hat eine andere Art der Konzentration gefordert, als man sie kennt. Das habe ich vorher so noch nicht wahrgenommen, und ich habe dazwischen auch immer mal wieder längere Pausen gebraucht, um wieder runter zu kommen."

Talente der "Super Recogniser" variieren

Richaus Spezialität ist das sogenannte "Spotting". Das heißt er ist sehr gut darin, in einer Menge eine Person heraus zu filtern, deren Gesicht er kennt. Andere "Super Recogniser" haben größere Talente, wenn es zum Beispiel darum geht, bei sehr großer Ähnlichkeit zweier Gesichter zu entscheiden, ob es sich um die selbe Person handelt. So wie die Begabungen variieren, wird auch das künftige Einsatzgebiet der "Fachkräfte" sehr unterschiedlich sein.

"Die "Super Recogniser" können bei Fahndungsanlässen eingesetzt werden, genauso bei Überwachungseinsätzen bei Großveranstaltungen und Demonstrationen. Im Prinzip überall da, wo Gesichter, wo Personen wiederzuerkennen sind", erklärt Arbeitsgruppenleiter Philippe Kern.

"Super Recogniser" kommen aus allen Abteilungen

Die 35 Beschäftigten, die gegebenenfalls zu Hilfe gerufen werden, kommen dabei aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Männer und Frauen aus der Verwaltung sind ebenso dabei wie Kolleginnen und Kollegen von der Verkehrspolizei.

Für alle dürfte das spannend werden. Auch für Sebastian Richau aus dem Bereich Cybercrime: "Ich freue mich auf die Aufgabe. Und gleichzeitig muss man sehen, wie das in der Realsituation aussieht. Da gibt es ja eine gewisse Erwartungshaltung bei so einem Auftrag, und dann wird sich dann zeigen, wie gut man das wirklich kann.“

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