Südbadische Mühlen sehen keinen Grund für Mehl-Hamsterkäufe (Foto: SWR)

Erhöhte Nachfrage

Mehlknappheit? Südbadische Mühlen sehen keinen Grund für Hamsterkäufe

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Jasmin Bergmann
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Ina Johannsen

Mehlregale im Supermarkt sind knapp bestückt und die Mühlen in Südbaden mahlen auf Hochtouren. Einen Grund zu hamstern sehen sie nicht.

Rauschend rieseln die Getreidekörner in der Huber Mühle in Hohberg (Ortenaukreis) durch die Maschinen. Das daraus entstehende Mehl ist heiß begehrt in diesen Tagen. Josef Löffel ist der Betreiber der Huber Mühle. Er berichtet, die Nachfrage nach Mehl sei seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine um ein Vielfaches gestiegen. In den Supermärkten suche die Kundschaft meist vergeblich nach Mehlpackungen in den Regalen und die Supermärkte versuchten dies mit großen Bestellungen zu kompensieren. Dadurch ist der Absatz laut Löffel auf das Fünffache gestiegen. Diesem erhöhten Bedarf nachzukommen gestalte sich allerdings schwierig. Schließlich mahlen seine Mühlen bereits 50.000 Kilo Mehl am Tag, zurzeit sieben Tage die Woche - auch nachts.  

"Ich bin jetzt seit über 40 Jahren als Müller in der Mühlenbranche tätig - da habe ich so etwas noch nie erlebt, so ein extremes Jahr wie jetzt." 

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Getreide-Bestände und Nachschub sind nicht das Problem

Das Problem beim Nachschub stelle nicht das Getreide dar, erklärt Löffel. Sein Betrieb bezieht 80 Prozent des verwendeten Dinkels, Roggens und Weizens aus Baden-Württemberg. Laut dem Landwirtschaftlichen Hauptverband sind die Bestände mehr als genug bestückt. Die Mühlen können allerdings nicht schneller mahlen, nur weil nach mehr Mehl verlangt wird. Vermehrt erreicht die Huber Mühle in Hohberg derzeit auch Anrufe von Kundinnen und Kunden, die sich nach ihrer Lieferung oder fehlenden Produkten erkundigen.

Kunden spüren steigende Getreide-Preise und Energiekosten

Problematisch für die Kundschaft dürfte in Zukunft eine Preissteigerung bei Mehl werden. Grund dafür seien zum einen die steigenden Preise für Getreide. "Die Kosten haben sich fast verdoppelt", erklärt Löffel und in der Folge müsse er die Preise nach und nach an die Kundschaft weitergeben.

"Wir haben Getreide im Silo, die Mühlen laufen auf Hochtouren, wir packen ab was geht: Also, es wird keinen Notstand geben."

Ein weiteres Problem stellen die steigenden Energiekosten dar. Auch beim Verpackungsmaterial kommt es immer wieder zu Lieferschwierigkeiten. "Irgendwas fehlt immer”, sagt Löffel, "da müssen wir halt improvisieren."

Mehlnotstand nicht zu erwarten - Hamsterkäufe unnötig

Seine Kundschaft habe sehr großes Verständnis für die derzeitige Lage, betont Josef Löffel. Der Müllermeister bittet aber um Geduld und sieht trotz allen Schwierigkeiten keinen Grund für Hamsterkäufe. Bedenken, dass es zu einem Mehlnotstand kommen könnte, gibt es für ihn nicht: "Solange die Mühlen mahlen, ist alles gut."

Hier der komplette Radiobeitrag zum Nachhören:

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