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Leere Hörsäle und Flure: Die Uni Freiburg wirkt wie ausgestorben. Je länger die Corona-Pandemie dauert, desto mehr steigt der Leidensdruck auch bei den Studierenden. Wurden sie vergessen?

Verglichen mit anderen Bevölkerungsgruppen hätten die Studierende eigentlich keinen Grund depressiv zu sein. Diese Äußerung von Winfried Kretschmann Anfang März hat für viel Empörung gesorgt und die Landesregierung war danach intensiv bemüht die Wogen wieder zu glätten. Der Satz sei nicht so gemeint gewesen und aus dem Zusammenhang gerissen worden, hieß es.

Leidensdruck der Studis wächst

Tatsache aber ist: Den Studierenden an den Universitäten geht es alles andere als gut. Unzufrieden sind die mehr als 300.000 in Baden-Württemberg Betroffenen vor allem mit der Politik, von der sie sich ignoriert fühlen. "Man hört immer nur von Schulen schließen, Schulen wieder öffnen – aber von den Unis hab ich gerade auf der höheren Bundespolitik-Ebene noch nie irgendwas gehört", sagt Student Max Petzold aus Freiburg.

Stimmung ist beklemmend

Während sich in der öffentlichen politischen Debatte alles um Schulen und Kitas dreht, stieg die Nachfrage bei den Beratungsstellen an den Universitäten nahezu unbemerkt um fast das Doppelte. Der Psychologe Matic Rozman von der Uni Freiburg berichtet von Überforderung, fehlender Struktur und einer großen seelischen Belastung. Den Studierenden, sagt er, gehe langsam die Puste aus: "Im Wintersemester ist vor allem diese Krise zum Alltag geworden. Das geht vielen an die Substanz, viele laufen auf Reserve und kommen an ihre Grenzen."

Ministerin zeigt Mitgefühl

Auf Nachfrage zeigt sich die zuständige Wissenschaftsministerin mitfühlend. Nach Ansicht von Theresia Bauer kommen Studierende in Baden-Württemberg aber verblüffend gut mit der Situation klar: "Wir wissen, dass wir den Studierenden viel an Disziplin und Zurückhaltung abverlangen. Aber wir geben ihnen auch Perspektive, sodass wir darauf setzen können, dass dieses Semester schon nicht mehr so sein wird, wie das letzte." Und das nächste, sagt Bauer, kann ihnen hoffentlich ein Stück mehr Normalität geben.

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