Ein Panel einer Solaranlage ist von nahem zu sehen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa | Franziska Kraufmann)

Streit um Mini-Solaranlage

Freiburg: Denkmalschutz sticht Klimaschutz aus

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Sebastian Bargon
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Katharina Seeburger

Ohne erneuerbare Energien ist der Klimawandel nicht zu stoppen. Doch oft kollidieren Klimaschutz und Denkmalschutz. In Freiburg muss eine Mini-Solaranlage wieder abgebaut werden.

Vor sieben Jahren hat der Musiker und Heilpraktiker Otto Haizmann neben dem Bollhof, einem denkmalgeschützten ehemaligen Gehöft im Freiburger Stadtteil St. Georgen, einen baufälligen angebauten Schuppen gekauft und zu einem kleinen Studio ausgebaut. Auf das Dach hat er eine Mini-Solaranlage gebaut. Nachdem Nachbarn vehement protestiert haben, muss er die Anlage bis Ende März wieder abbauen. Sonst droht ein Zwangsgeld in Höhe von 2.500 Euro.

Der Radio-Beitrag zum Nachhören:

Der angebaute Schuppen ist nicht denkmalgeschützt

Dabei hätten ihm zum einen die Verkäufer wiederholt versichert, dass nur die Fassade des Bollhofs unter Denkmalschutz stünde, nicht aber sein zum Häuschen umgebauter Schuppen. Zum anderen hatte Haizmann auch mit dem Baurechtsamt der Stadt Freiburg Rücksprache gehalten. Dort sah er auf dem Computerbildschirm, dass der Bollhof als Denkmal geschütztes Haus gelb markiert war. Sein Häuschen, das an den Bollhof angebaut ist, jedoch nicht. Hocherfreut bat er die Sachbearbeiterin um eine schriftliche Bestätigung. Diese, so Haizmann, sollte er dann per Mail anfordern. Der Eingang seiner Anfrage sei von der Stadt zwar bestätigt worden, dann habe Haizmann aber nichts mehr von der Stadt gehört. Die Stadt Freiburg gibt auf Anfrage an, dass nicht mehr nachvollzogen werden könne, warum die Mail nicht beantwortet wurde.

"Unabhängig vom genauen Inhalt des Gesprächs kann darin keine bindende Erklärung der Verwaltung gesehen werden."

Erfolglose Klage vor dem Verwaltungsgericht

Gegen den Bescheid, seine Solaranlage aus Denkmalschutzgründen wieder abbauen zu müssen, legte Haizmann beim Regierungspräsidium Widerspruch ein. Dieser wurde jedoch zurückgewiesen. Daraufhin klagte er vor dem Verwaltungsgericht. Ebenfalls erfolglos. Lisa Körner, Richterin und Pressesprecherin beim Verwaltungsgericht Freiburg, betont, dass sich die Kammer in der mündlichen Verhandlung um einen Vergleich bemüht habe. So hätten sie weniger Solarmodule oder eine Anordnung der Paneele auf der Nordseite des Daches vorgeschlagen.

"Dann könnte es denkmalschutzrechtlich zulässig sein, weil dadurch die Beeinträchtigungen für den Bollhof in denkmalschutzrechtlicher Hinsicht geringer wären."

Darauf habe sich Haizmann aber nicht eingelassen. Aus gutem Grund: Da das Gebäude keine Dachfläche auf der Nordseite hat, ist der Vorschlag in der Praxis gar nicht umsetzbar.

Anwohner stört die Solaranlage nicht

Die Anwohner des Bollhofs fühlen sich von der Solaranlage auf dem Dach des angebauten Schuppens nicht gestört. Sie glauben eher den Amtsschimmel wiehern zu hören, wie die Recherche vor Ort zeigt. Sie fänden es wichtig, die Solaranlage zu nutzen. Sie könne ruhig drauf bleiben, sagt ein Anwohner. Ein anderer Anwohner findet noch deutlichere Worte: Es sei bescheuert, sich in diesen Zeiten um so etwas zu kümmern. Denkmalschutz sei in Ordnung - aber warum nicht nette, alte Gebäude in neuem Design, fragt er sich.

Solaranlage hatte keinen Bauantrag

Mathias Henrich, Sprecher des Regierungspräsidium Freiburg, bedauert, dass Haizmann keinen Bauantrag für die Solaranlage gestellt hatte. Dann hätten sie sich möglicherweise die Sache vor Ort angeschaut und Haizmann darauf hingewiesen, dass er die Solaranlage so nicht anbringen könne. Vor Ort hätte man gemeinsam nach einer alternativen Stelle für die Solaranlage suchen können, so Henrich weiter.

"Es wäre vielleicht eine Möglichkeit gewesen zu sagen: Wir haben eine Lösungsmöglichkeit, da ist beides miteinander vereinbar - Klimaschutz und Denkmalschutz."

Da gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts keine Revision möglich ist, hat Haizmann bereits Handwerker damit beauftragt, die Anlage wieder abzumontieren. Denn wenn das bis Ende März nicht geschieht, droht ihm ein Zwangsgeld in Höhe von 2.500 Euro.

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