Mehr Unabhängigkeit

Straßburg setzt bei Energiewende auf Holz statt Gas

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AUTOR/IN
Christine Veenstra

Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie fatal die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sein kann. Deshalb wird jetzt vielerorts überlegt, wie sich die Energiewende beschleunigen lässt. Die Eurometropole Straßburg setzt dabei vor allem auf Fernwärmenetze und Biomasse.

Rund für 50.000 Haushalte in den Stadtteilen Hautepierre, Esplanade, Elsau und Wacken werden schon heute über Fernwärmenetze beheizt. 40 Prozent der eingespeisten Wärme kommt dabei aus Erneuerbaren Energiequellen – vor allem aus Biomasse. Bis 2030 soll der Anteil auf 75 Prozent wachsen und die Zahl der angeschlossenen Haushalte verdoppelt werden.

Mit Fernwärmenetzen zu mehr Unabhängigkeit

Die Präsidentin der Eurometropole Straßburg, Pia Imbs, hält das angesichts der aktuellen geopolitischen Lage für besonders wichtig: "Unsere Wärmenetze bieten den Vorteil, dass wir ein Maximum an erneuerbaren Energien einspeisen können. Das verbessert unsere energetische Eigenständigkeit. Gerade jetzt, wo wir sehen, dass uns Abhängigkeiten explodierende Preisen bescheren."

Jeanne Barseghian, Pia Imbs und Danielle Dambach (v.l.) (Foto: SWR)

Was schlicht und logisch klingt, ist in Wirklichkeit ein ziemlicher Spagat. Denn woher soll die Energie der Zukunft kommen? Noch vor einem Jahr hatte die Eurometropole auf den Erfolg von Tiefen-Geothermie-Projekten hoffen können. 26.000 Haushalte hätte allein eine Anlage in Vendenheim in Zukunft mit Wärme versorgen sollen, zusätzlich 7.000 Haushalte mit Strom. Doch noch im Testbetrieb wurde das Vorhaben wegen etlicher Erdbeben gestoppt.

Geothermie bleibt außen vor

Die Bevölkerung sei aktuell traumatisiert durch die Vorfälle bei der Geothermie, sagt Pia Imbs. Der Staat sondiere noch und die Präfektur habe eine Studie in Auftrag gegeben, um die Folgen des Ganzen zu erkunden. Deshalb konzentrierten sich die neuen Angebote für die Wärmenetze vor allem auf die Elemente Biomasse und Abwärme. "Die Geothermie kommt in diesen Angeboten nicht vor", so Pia Imbs.

Für zwei von vier Wärmenetzen hat die Eurometropole den Betrieb neu ausgeschrieben und Angebote eingeholt. Über die Konzepte der Bewerber stimmt der Rat der Eurometropole diese Woche ab. Doch schon jetzt ist klar: Eine stärkere Nutzung von Biomasse bedeutet, dass mehr Holz verbrannt werden wird. Und hier schlagen verschiedene Umweltschutzorganisationen Alarm.

Hackschnitzel (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Hackschnitzel in einem Biomasse-Heizkraftwerk (Symbolbild) Picture Alliance

Was als nachwachsende und damit grüne und klimafreundliche Energiequelle angepriesen werde, sei eigentlich das Gegenteil, sagt zum Beispiel Susanne Winter vom WWF.

WWF-Expertin: Klimabilanz wird sich verschlechtern

"Das Verbrennen von Holz ist auf jeden Fall nicht klimafreundlich. Holz und der Wald sind eine erneuerbare Energiequelle insofern als dass der Wald nachwächst. Aber bei der Verbrennung von Holz wird bei der gleichen Wärmeeffektivität mehr Kohlenstoff freigesetzt als bei der Verbrennung von Kohle und Gas", so Winter.

Die schlechteste Klimabilanz hat dabei Holz, dass extra geschlagen wird und eigentlich noch CO2 hätte speichern können. Denn der Wegfall der Speicherfunktion fließt in die Rechnung der WWF-Expertin ein. Für Totholz ergibt sich ein günstigeres Bild. Doch auch Danielle Dambach, Vizepräsidentin der Eurometropole räumt ein: "Die Biomasse ist vielleicht nur eine Übergangslösung auf dem Weg hin zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien aus anderen Energiequellen und der Erdwärme. Auch wenn die Nutzung von Tiefengeothermie im Moment nicht zur Debatte steht."

Die Badischen Stahlwerke in Kehl. (Foto: SWR)
Die Badischen Stahlwerke in Kehl

Einen Lichtblick für Straßburgs Klimabilanz und die Unabbhängigkeit von Gas und Öl verspricht zum Beispiel ein geplantes Abwärmeprojekt mit den Badischen Stahlwerken in Kehl. Es soll bis zum Winter 2025/2026 rund 7.000 Haushalte mit Wärme aus dem Stahlwerk versorgen.

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Christine Veenstra