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Es ist September - und seit Wochen steigen in Frankreich wieder die Corona-Infektionszahlen, auch in dem an Deutschland grenzenden Departement Bas-Rhin. Es ist eines der sieben Risikogebiete, die Frankreich ausgewiesen hat.

Mit Sorge blicken Menschen in Südbaden zurzeit nach Frankreich. Denn da Departement Bas-Rhin direkt hinter der Grenze meldet wieder vermehrt Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Welche Folgen hat das für die Bewohnerinnen und Bewohner dort, auf der deutschen Seite und die Pendler? Eine Einordnung:

Was bedeutet es für die Menschen, dass Frankreich das Departement Bas-Rhin als Risikogebiet eingestuft hat?

Die örtlichen Behörden können jetzt die Corona-Maßnahmen im Departement rund um Straßburg verschärfen. Die Infektionszahlen sind in letzter Zeit erneut stark angestiegen. Am Sonntag, 6. September 2020, sind fast 7.000 Neuinfektionen in Frankreich gemeldet worden. 28 der etwa 100 Departements gelten seit Sonntag als sogenannte „Rote Zonen“, in denen das Virus „aktiv zirkuliert“. Ausgangssperren oder Grenzschließungen sind aktuell kein Thema. Aus Frankreich war von mehreren offiziellen Stellen zu hören, dass solche drastischen Maßnahmen wie im Frühjahr verhindert werden sollen. Die Maßnahmen sollen eher lokal angepasst werden, etwa eine allgemeine Maskenpflicht auch unter freiem Himmel und nicht nur in Geschäften. Das gilt in Frankreich sowieso schon in vielen Großstädten wie Paris oder Lyon; im Departement Bas-Rhin in Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern wie etwa in Straßburg. Am Sonntag hat der französische Staatsrat, das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs, diese Maskenpflicht in einem Eilverfahren auch bestätigt, nachdem dagegen geklagt wurde.

Was bedeutet es für den Grenzverkehr, wenn das Department Bas-Rhin eine sogenannte „rote Zone“ ist?

Die Veränderungen sind noch nicht gravierend. Dort, wo eine allgemeine Maskenpflicht gilt, müssen natürlich auch Bundesbürger eine Maske tragen. Es gibt aber weder Grenzkontrollen noch eine verordnete Quarantäne für Pendler. Von französischer Seite war zu hören, dass die Grenzen offen bleiben müssen. Die guten Beziehungen im Grenzgebiet als gemeinsamer Lebensraum sollen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Vor allem Grenzgänger wie Familien, Paare und Berufspendler sollen nicht unter erneut geschlossenen Grenzen leiden. Der Ratspräsident des benachbarten Departments Haut-Rhin, Rémy With, sagte sogar, dass sich aus gesundheitlicher Sicht Grenzschließungen als nicht wirksam erwiesen hätten. Von französischer Seite soll also trotz gestiegener Infektionszahlen ein erneuter Lockdown verhindert werden, da dieser auch negative Folgen für den Wirtschaftsraum hätte. Deutschland hat bisher noch keine Reisewarnung für das Gebiet rund um Straßburg ausgesprochen. Das ist bis jetzt eine rein französische Einstufung. Es gelten also aktuell keine Sicherheitsvorkehrungen für Reisende, die von Bas-Rhin nach Deutschland kommen.

Lässt sich etwas über die Gründe für die gestiegenen Infektionszahlen sagen?

Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Seit Anfang September hat die Schule in Frankreich wieder begonnen, die Urlaubszeit ist vorbei und viele Urlaubsrückkehrer haben das Virus aus dem Urlaub mitgebracht und verbreitet. Aber – und auch das gehört zur Wahrheit – Frankreich testet aktuell viel mehr auf Corona. Im März und April waren die Tests vorwiegend den Erkrankten vorbehalten. Da waren das etwa 5000 Tests am Tag. Jetzt wird um ein Vielfaches mehr getestet, weil mehr Test-Kits zur Verfügung stehen. Mehrere hunderttausend Tests pro Woche sollen es aktuell sein. Dieses dichtere Test-Raster zeigt natürlich auch höhere Infektionszahlen an. Es besteht kein Grund zur Panik – aber die Lage ist nach wie vor ernst.

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