Laptop am Strand (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Neuer Trend in der Arbeitswelt

Workation: Start-Up aus Freiburg verbindet Arbeit und Urlaub

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AUTOR/IN
Stefan Schlegel

Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wollen ihr Homeoffice zeitweise dahin verlegen, wo andere Urlaub machen. Ein Freiburger Start-Up hat daraus eine Geschäftsidee gemacht.

Workation ist ein Kofferwort. Das klingt doch schon ein bisschen nach Verreisen. Es setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern "Work" und "Vacation". Für Marius Kanzinger ist Workation Teil seines Lebensstils. Im Januar war er mit Freunden zum Urlaub machen in Südtirol und weil er schon lange mal Bologna kennen lernen wollte, hat er noch eine Arbeitswoche in Bologna dran gehängt. Ein Tisch, ein Stuhl und stabiles Internet - mehr braucht er nicht in der Ferienwohnung, um die Marketing-Abteilung seiner Firma aus der Ferne zu leiten.

"Es ist immer eine Zeit, in der ich mich mit den großen Fragen meines Lebens beschäftige."

Für ihn ist es kein Urlaub, weil er weiterhin einen Arbeitsalltag hat. Es ist aber ein Alltag, der sich gar nicht alltäglich anfühlt. Morgens gibt es erst mal einen Espresso an der Bar an der Ecke und das Mittagessen in einem italienischen Restaurant ist eben auch was ganz anderes als in Freiburg.

Start-Up hilft Arbeitgebern den Workation-Aufenthalt zu organisieren

Menschen wie Marius Kanzinger sind der Grund, warum Uwe Michaelis als Mitarbeiter der Freiburger Leasingrad-Firma Jobrad auf die Idee kam die Firma Jobbatic-Go zu gründen. Die Nachfrage ist da: Er habe mit vielen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern gesprochen und deren Mitarbeitenden würden sagen, dass sie an bestimmten Tage im Jahr im Ausland arbeiten wollen.

Neben dieser Forderung gibt es aber auch eine große Verunsicherung: Wie lange darf ich gehen? Darf jeder gehen? Muss ich da Steuern zahlen? Bleibe ich versichert? Die Geschäftsidee von Jobbatic-Go ist, dass sie zeitlich befristetes Arbeiten im Ausland auf rechtssichere Weise organisiert. Dabei hilft eine Software. Diese bieten sie den Arbeitgeberinnen und Arbeitsgebern als Dienstleistung an. Die Beschäftigten geben ihre Wünsche ein, zum Beispiel Reiseziel und Dauer, und das Programm sagt, was geht und was nicht.

Auch große Konzerne wollen Workation anbieten

Auf gewisse Weise ist die Geschäftsidee ähnlich wie die der Mutterfirma Jobrad. Jobrad hilft Arbeitgebenden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Form eines günstigen Fahrrades was Gutes zu tun. Bei dem neuen Start-Up ist es die Möglichkeit, auch vom Ausland zeitlich befristet arbeiten zu können. Jobrad ist mit seinem Modell in wenigen Jahren zu einer Firma mit mehr als 600 Mitarbeitern geworden, auch weil in Zeiten von Arbeitskräftemangel die Firmen mehr tun müssen, um die Belegschaft zu halten. Bei dem Start-Up sind es im Moment vier Mitarbeiter, bis zum Ende des Jahres sollen es 15 sein. Man sei mittlerweile mit großen Konzernen im Gespräch, die solche Arbeitsmodelle anbieten wollen, ohne sich selbst um die Details kümmern zu müssen.

Marius Kanzinger arbeitet mittlerweile selbst bei Jobbattic-Go, weil er von der Idee überzeugt ist. Bevor er sich dafür entschieden hat, war er in mehreren Bewerbungsgesprächen. Arbeitgebende, bei denen kein Workation möglich war, sind von vornherein ausgeschieden.

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Stefan Schlegel