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Mit mehr als 12.000 Einwohnerinnen und Einwohnern und den vielen Ortsteilen ist Titisee-Neustadt ein Mittelzentrum mit Schulstandort, Industrie und urbanen Strukturen. Mit der neuen, jungen Bürgermeisterin startet die Stadt jetzt einen großen Entwicklungsprozess.

Meike Folkerts ist die erste und einzige Bürgermeisterin im Hochschwarzwald. Vor 35 Jahren in Titisee-Neustadt geboren ist die Juristin vor elf Monaten in die Heimat zurückgekehrt - mit großen Zielen: "2021 jährt sich die Eingemeindung Titisee-Neustadt zum 50. Mal und das möchte ich auch feiern. Ich finde, dass es natürlich anfangs für den ein oder anderen Ortsteil schwierig war sich als Gesamtstadt zu sehen. Jetzt, 50 Jahre später, meine ich, dass diese Wunde noch mindestens eine Narbe ist. In einer globalisierten Welt immer noch von Ortsteil-Politik und Kirchturm-Denken zu sprechen, finde ich sehr fehl. Ich erhalte insbesondere von jüngeren Generationen die Rückmeldung, dass eben diese Einzelort-Teildenke überholt ist."

Bürgermeisterin: Stadtverwaltung will offen und bürgernah sein

Mit den modernen Methoden der Partizipation hat sich Meike Folkerts beschäftigt, versteht sich als "echte" Bürgervertreterin und hat im Rathaus in Neustadt Verbündete für das Projekt "titseeneustadtpacktan" gefunden. Etwa Verena Hog, die Projektleiterin im Stadtentwicklungsprozess: "Wir als Stadtverwaltung wollen uns bürgernah zeigen und auch öffnen. Deswegen sind wir auch Teil des "Open Government Labors" der Hochschule Kehl. Wir haben jetzt in einer Postkartenaktion die Bürgerschaft gefragt: Was ist euch eigentlich wichtig bei Stadtpolitik und Stadtverwaltung? Wie wollen wir denn miteinander umgehen, dass wir möglichst produktiv auch vorankommen? Und da hat sich schon gezeigt: Transparenz erachten viele als sehr wichtig und das greifen wir natürlich auf. Wir möchten uns auch in Zukunft als bürgernahe und offene Verwaltung zeigen."

Verwaltung will im Stadtentwicklungsprojekt "titiseeneustadtpacktan" offen und bürgernah sein (Foto: SWR, Marion Eiche)
Verwaltung will im Stadtentwicklungsprojekt "titiseeneustadtpacktan" offen und bürgernah sein Marion Eiche

Stadtbaumeisterin: Ideen spinnen und attraktives Potential schöpfen

Es geht um Schulen, Bauplätze und Wohnungen für Familien, Leerstände und Gewerbeflächen, die Energiewende und ein Klimaschutzkonzept, um Verkehr und Mobilität. Eine Fußgängerzone in der Hauptstraße von Neustadt zum Beispiel. Stadtbaumeisterin Heidrun Haag-Bingemann: "Wir haben schon gemeinsam Ideen gesponnen. Es gibt ganz viel Potenzial, wie man das attraktiver machen kann, nicht mehr so autogerecht. Auch in Titisee selber kann man unter anderem mit Verkehrsberuhigungsmaßnahmen oder Geschwindigkeitsreduzierungen atmosphärisch schon einiges erreichen, damit es angenehmer alle."

Verbündete im Stadtentwicklungsprojekt "titiseeneustadtpacktan": Stadtbaumeisterin Heidrun Haag-Bingemann (l.), Bürgermeisterin Meike Folkerts (m.) und Projektleiterin Verena Hog (r.) (Foto: SWR, Marion Eiche)
Verbündete im Stadtentwicklungsprojekt "titiseeneustadtpacktan": Stadtbaumeisterin Heidrun Haag-Bingemann (l.), Bürgermeisterin Meike Folkerts (m.) und Projektleiterin Verena Hog (r.) Marion Eiche

Projekt startet Mitte Oktober mit einer großen Bürgerversammlung

Sie soll live im Internet aus drei Bürgerhäusern übertragen werden. Nach Gesprächen in den Ortsteilen, Online-Umfragen und Workshops im Gemeinderat soll bis zur Haushaltsberatung im neuen Jahr ein konkretes Leitbild entstehen. Ihr persönliches hat Rathaus-Chefin Meike Folkerts schon vor Augen: "Natürlich ist Titisee-Neustadt - insbesondere Titisee - ein Ort, wo der Tourismus seine Stärke hat und das soll auch weiterhin der Fall sein. Aber ob es dann die Kuckucksuhr aus Fernost sein muss, das möchte ich doch eher in Frage stellen. Und da möchte ich Titisee persönlich hin entwickeln: Wenn wir ein Ort sind, mitten im Schwarzwald, nah an der Natur, muss ich das auch spüren. Das Konsumelement muss aus meiner Sicht nicht noch mehr verstärkt werden. Also ich möchte, dass Titisee ein Ort wird, in dem jeder spürt, wo er ist - nämlich im Schwarzwald."

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