STAND

Die Staatsanwaltschaft Offenburg ermittelt gegen sieben Polizeischüler aus Lahr (Ortenaukreis). Sie sollen in einer Chatgruppe nationalsozialistische, antisemitische und frauenfeindliche Inhalte ausgetauscht haben.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Nach dem Bekanntwerden der Chatinhalte, die sich die sieben Polizeischüler in einer geschlossenen Whatsapp-Gruppe offenbar hin- und hergeschickt hatten, griff die Polizeihochschule Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) vergangene Woche rigoros durch, erklärt deren Präsident Martin Schatz.

"Für uns spielt die charakterliche Eignung der jungen Kolleginnen und Kollegen eine ganz große Rolle. Das hier ist ein Verhalten, das wir weder dulden noch tolerieren können. Deshalb haben wir sie mit sofortiger Wirkung suspendiert und Entlassungsverfahren gegen sie eingeleitet."

Martin Schatz, Präsident Polizeihochschule Villingen-Schwenningen
Polizeihochschule Villingen-Schwenningen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Patrick Seeger/dpa)
Auf die mutmaßlich rechten Umtriebe sei man durch Wahrnehmungen der Vorgesetzten und anderer Polizeischüler gekommen, teilte die Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) mit. picture alliance / Patrick Seeger/dpa

Staatsanwalt bestätigt Ermittlungsverfahren nach Anfangsverdacht

Nachdem die antisemitischen, nationalsozialistischen und frauenfeindlichen Äußerungen aufgeflogen waren, mussten die Betroffenen, die seit September vergangenen Jahres im mittleren Polizeidienst ausgebildet wurden, sofort ihre Sachen packen. Neben dem eingeleiteten dienstrechtlichen Verfahren beschäftigt sich jetzt damit auch die Staatsanwaltschaft Offenburg. Deren Sprecher Kai Stoffregen bestätigte, dass man nach dem Anfangsverdacht inzwischen ein Ermittlungsverfahren gegen die sieben Polizeianwärter eingeleitet hat.

Polizeipräsidentin: Rechtsextremismus hat in der Polizei nichts verloren

Im Stuttgarter Innenministerium, zeigte sich die Chefin aller Polizisten in Baden-Württemberg, Landes-Polizeipräsidentin Stefanie Hinz, betroffen von den Vorgängen an der Hochschule Villingen-Schwenningen. Sie machte am Donnerstag gegenüber dem SWR unmissverständlich klar, dass das, was dort passiert ist, bei der Polizei Baden-Württemberg nicht geduldet wird.

Thomas Strobl informiert den Innenausschuss der Landtages

Inzwischen hat der Fall auch eine politische Dimension erreicht. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) informiert den Innenausschuss des Landtags Baden-Württemberg. Strobl selbst sagte, solcherlei Vorgänge können weder hingenommen noch akzeptiert werden.

Fall hat Konsequenzen für Auswahl und Ausbildung junger Polizisten

Zusammen mit der Hochschule werde man nun schauen, ob das Auswahlverfahren für die Polizeianwärter nicht optimiert werden sollte. Die Landes-Polizeipräsidentin betonte, man werde sich eingehend mit dem Fall befassen und dann schauen, welche Schlüsse für die zukünftigen Ausbildungen von jungen Polizisten zu ziehen seien.

4.500 Auszubildende bei der Polizei – davon 1.000 in Lahr

Derzeit befinden sich etwa 4.500 Menschen, einschließlich Praktikanten, bei der Polizei in Ausbildung, wie ein Sprecher des Innenministeriums in Stuttgart mitteilte. Davon sind allein mehr als 1.000 am Ausbildungsort Lahr in Ausbildung oder von dort aus im Praktikum.

STAND
AUTOR/IN