Südbadische Schule macht es vor

So gut geht Fernunterricht am Neuenburger Kreisgymnasium

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Der Home-Schooling-Start in Baden-Württemberg nach den Ferien war etwas holprig. Dass es auch anders gehen kann, zeigt das Kreisgymnasium Neuenburg. Hier funktioniert der Fernunterricht so gut, dass die Schule sogar noch ein Freizeitprogramm online anbieten kann.

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Jonas Ebner, Musiklehrer am Kreisgymnasium Neuenburg (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald), sitzt daheim am Keyboard und zeigt - per Videokonferenz - die Grundlagen des Beatboxens. Das heißt, er erklärt, wie man mit dem Mund Schlagzeugrhythmen erzeugt. Ebner trägt Sonnenbrille und ein Stirnband und ermuntert auch seine über 50 Zuschauer, sich ähnlich "cool" zu verkleiden - was diese auch mit Freude tun. Der junge Lehrer weiß, wie wichtig der Spaßfaktor ist, ganz besonders in dieser schwierigen Zeit.

Zuhause vor den Bildschirmen sitzen nicht nur Schülerinnen und Schüler aller Stufen, auch ein paar Eltern und Geschwister schauen aus zahlreichen kleinen Videofenstern zu. Neben Beatboxen wird an der Schule nachmittags auch Gymnastik, Gitarrenunterricht oder Mathe-Bingo angeboten.

Auch AGs finden online statt

Schulleiter Rainer Kügele ist es wichtig, die ganze Vielfalt des Schullebens online zu vermitteln. Was für ein Luxus, mögen sich andere Rektoren denken, die schon froh wären, wenn wenigstens der reguläre Unterricht mal halbwegs störungsfrei laufen würde. Am Neuenburger Kreisgymnasium hat der schon im ersten Lockdown ziemlich gut funktioniert. Deshalb war es hier auch kein Problem, nach den Weihnachtsferien den Hebel wieder auf Fernunterricht umzulegen.

Große Offenheit für "Neue Medien"

Damit sich am Bildschirm nicht zu viele Schülerinnen und Schüler tummeln, sind die Klassen in zwei Hälften geteilt, sodass sich die Gruppen mit dem Video-Unterricht abwechseln können. Die Kinder und Jugendlichen kennen sich inzwischen gut aus mit Videokonferenzen und dem Hoch- und Runterladen von Dateien und Aufgaben.

Eigene Lernplattformen statt "Moodle"

Dass alles so gut funktioniert, liegt nicht nur an einem guten Internet-Anschluss der Schule, sondern auch am Kollegium in Neuenburg, das gegenüber den neuen Medien sehr aufgeschlossen ist. Schulleiter Rainer Kügele und einige Lehrkräfte sind sogar Experten in Sachen Informatik. Statt auf die störanfälligen Landesplattformen Moodle und Big Blue Button zu bauen, haben sie früh auf eine eigene Lösung mit den Programmen Edupage und Zoom gesetzt. Das hat sich ausgezahlt.

„Wir hatten überhaupt keine Server-Zusammenbrüche, keine Konnektivitätsprobleme. Und das Zweite ist, dass wir jetzt auch schon ein sehr trainiertes Kollegium haben, das sich im ersten Lockdown ganz, ganz schnell - binnen zwei Tagen - komplett darauf eingestellt und eingelassen hat: Wir gehen mit unserem gesamten Unterricht in Videokonferenzen.“

Dennoch: Auch wenn am Neuenburger Kreisgymnasium gerade alles klappt, ist der Unterricht per Video nur eine Notlösung. Alle hoffen, sich bald wieder leibhaftig im Klassenzimmer zu treffen.

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