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Bundeskanzlerin Angela Merkel will wegen der Corona-Krise die Skigebiete in Europa geschlossen halten - stößt aber auf Widerstand. So warnen Liftbetreiber im Schwarzwald vor großen Einbußen im Tourismus.

Angesichts der anstehenden Skisaison ist eine Diskussion über Wintersport in der Corona-Krise entbrannt. Die Pisten einfach geschlossen zu lassen, hält St. Blasiens Bürgermeister Adrian Probst (CDU) für falsch. Seine Gemeinde betreibt zusammen mit den Kommunen Feldberg (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) und Todtnau (Kreis Lörrach) den Liftverbund Feldberg. "Ich halte es für unrealistisch, dass europaweit die Lifte abgestellt werden", sagte Probst im SWR.

Die Schweizer hätten die Pisten bereits geöffnet und auch die Österreicher wollten das Skifahren ermöglichen. Deshalb dürfe Deutschland nicht den Fehler machen, "den Tagestourismus ins Ausland zu befördern". Man müsse eigene Angebote schaffen.

Merkel will Skigebiete europaweit schließen

Erst am Donnerstag hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür ausgesprochen, alle Skigebiete in Europa zu schließen. "Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen", sagte sie im Bundestag. Allerdings gab auch sie zu bedenken, dass dies wohl nicht "so einfach gelingen" werde. Zuletzt hatte der Vorschlag des italienischen Ministerpräsident Giuseppe Conte für Streit unter den Alpenländern gesorgt. Er sprach sich dafür aus, den 10. Januar europaweit als Saisonstart festlegen.

Am Feldberg sollte die Saison eigentlich am 18. Dezember starten. St. Blasiens Bürgermeister Probst befürchtet bei einem verspäteten Saisonstart nach den Ferien "ein kaum kontrollierbares Chaos im Schwarzwald". Ob Langläufer, Winterwanderer, Rodler, Skitourengeher, Snowkiter oder Schneeschuhgänger: Alle würden sich dann im Schnee tummeln. "Deswegen plädieren wir ganz klar dafür, Ordnung zu schaffen und ein sicheres, steuerbares Angebot an den Skiliften zu ermöglichen", so der CDU-Politiker weiter.

Verband: Wintersportverbot für Betriebe "existenzbedrohend"

Für ein geregeltes Angebot spricht sich auch Matthias Stauch, Vorstand des Verbandes Deutscher Seilbahnen (VDS), aus. Ein Wintersportverbot wäre für die betroffenen Regionen katastrophal und zudem unverständlich, sagte Stauch am Donnerstag. Bewegung an der frischen Luft sei gesund und das Infektionsgeschehen in Ischgl sei nicht vom Skibetrieb ausgegangen. "Es kommt nicht vom Skisport. Wir wollen bei uns kein Halligalli."

Ein Wintersportverbot würde viele Betreiber an ihre Grenzen bringen, so Stauch weiter. "Das ist für unsere Betriebe existenzbedrohend. Wenn uns jetzt zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem 10. Januar das Geschäft wegbricht, ist das katastrophal." Die Gesundheit von Gästen und Mitarbeitern stehe an erster Stelle. Die Betriebe hätten aber im Sommer gezeigt, dass ihre Maßnahmen funktionierten.

Feldberger Gemeinden bangen um Millioneneinnahmen

Für die drei Gemeinden im Schwarzwald, die als Gesellschafter hinter dem Liftverbund Feldberg stehen, geht es laut Bürgermeister Probst um Einnahmen in Millionenhöhe. Insofern sei das eine wirklich wichtige, wirtschaftliche Säule. "In den zwei Ferienwochen über Weihnachten wird etwa ein Drittel der Einnahmen aus der ganzen Wintersaison erzielt", gibt der Bürgermeister zu bedenken. Außerdem haben die Betreiber in den vergangenen Wochen bereits einen umfangreichen Maßnahmenkatalog erarbeitet. Denn ein zweites Ischgl soll es am Feldberg auf keinen Fall geben.

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