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Die Skilifte im Schwarzwald sind coronabedingt in diesem Winter nicht in Betrieb. Aber es gibt Ausnahmen. Eine davon ist der Lift in Herrischried im Kreis Waldshut.

Das Wetter ist wunderbar, aber die großen Liftanlagen bleiben geschlossen. Immer mehr kleine, private Betreiber öffnen trotzdem. Stundenweise können Familien mit bis zu fünf Personen Liftanlagen mieten. Die Idee ist auf der Schwäbischen Alb geboren und zieht immer weitere Kreise. In Herrischried (Kreis Waldshut) im Südschwarzwald ging der Betrieb im neuen Jahr los.

Beste Bedingungen für Skifahrer

Mit einem gekonnten Bremsschwung stoppt eine Skifahrerin am Ende des 900 Meter langen Hanges in Herrischried. Der Schnee ist griffig, die Piste gut präpariert. "Schön – für uns ist es einfach toll. Wir sind Skitourengänger und sind recht viel gelaufen. Jetzt haben wir gesagt, das ist jetzt die Belohnung für die Mädels. Jetzt mieten wir mal den Lift hier und genießen es einfach", sagt sie. Ihre beiden Töchter wollen gar nicht lange reden, sondern gleich wieder rauf auf den Berg und hinunterdüsen.

Direkt noch einmal gebucht

Die Familie ist aus Friedrichshafen angereist. Sie waren am Vortag schon für zwei Stunden da und haben den Lift sofort nochmal gebucht. Alle lieben das Skifahren und den Schnee und sie sind bereit, dafür 300 Kilometer weit zu fahren und 150 Euro pro Stunde zu bezahlen.

"Für uns ist auch wichtig, dass die kleinen Liftbetreiber ein paar Einnahmen haben. Jetzt hat es Schnee und den gab es seit Jahren nicht."

Skifahrerin, angereist aus Friedrichshafen

Der Betreiber, Albert Schneider, hatte sich im November noch große Sorgen um die Zukunft der beiden Skilifte gemacht. Schon die Saison davor war eine Nullrunde. Die Herrischrieder Lifte gibt es seit 1969. Einer der Mitbegründer der Liftgesellschaft war Schneiders Vater. "Ich glaube nicht, dass die Gründer damals mit so etwas gerechnet haben. Man muss ja den Hut ziehen vor dem, was die damals geleistet haben. Aber so eine Situation haben selbst die nie meistern müssen", sagt Schneider. Und ergänzt: "Wenn Corona nicht wäre, könnte man an diesem Ort nicht stehen, da wäre ein Riesengedränge. An einem Tag wie heute wären 1.000 bis 1.500 Menschen hier.“

150 Euro pro Stunde seien das Mindeste

Obwohl an jedem Lift nur jeweils eine Familie fahren darf, sind sechs Mitarbeiter rund um den Lift und auf den Pisten im Einsatz. Der Zugang ist abgesperrt und wird kontrolliert. 150 Euro ist das Mindeste, was er für die Stunde verlangen muss, sagt Schneider: "Wir haben Stromkosten, Personalkosten. Jeder Motorschlitten muss versichert werden, die Pistenraupe auch. Wir haben ein großes Gebäude mit Gebäudeversicherung, die Grundstücksteuer muss bezahlt werden. Wir sind froh, wenn durch die Aktion die Unkosten, die wir haben, reinkommen.“

Zwei Drittel der Termine reserviert

Wenn es so weiterläuft, sind die Chancen gut: Zwei Drittel der Termine bis Ende Januar sind ausgebucht. Bis 19 Uhr bietet die Liftgesellschaft auch Flutlichtfahren an. Der fast leere Hang ist zwar ungewohnt, aber er hat auch seine Vorteile. Am einfacheren der beiden Hänge übt gerade ein Vater mit seinem Sohn. Das Kind steht offensichtlich zum ersten Mal auf den Skiern. Ganz langsam ziehen sie gemütlich ihre riesigen Kurven. Schneider sieht ihnen zu und meint….

"Was Besseres kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen. Es ist kein Verkehr auf der Piste. Man kann Bögen ziehen, wie man will, die Unfallquote ist gleich null."

Albert Schneider, Liftbetreiber, Herrischried

Die Skilift-Vermietung kommt offensichtlich gut an - und dient als Vorbild: Liftbetreiber in Todtnauberg, Wieden (beide Kreis Lörrach) und St. Georgen (Schwarzwald-Baar-Kreis) folgen dem Beispiel Herrischried.

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