Radprofi Simon Geschke im Garten des SWR Studio Freiburg (Foto: SWR, Robert Wolf)

Interview mit Radprofi

Simon Geschke im SWR: So langsam geht's wieder bergauf

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Robert Wolf
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Markus Gutting

Der Freiburger Radprofi Simon Geschke im SWR-Interview: Bei der Tour de France war er neun Tage lang der beste Bergfahrer.

SWR: Herr Geschke, 3.350 Kilometer war die Tour dieses Jahr lang. Drei Wochen extreme Anstrengung. Wie fühlen sich die Beine jetzt mit anderthalb Wochen Abstand an?

Simon Gescke: Langsam wieder besser, also die Woche nach der Tour war mit zwei kleineren Einladungsrennen noch ziemlich stressig und ich bin in Spanien dann San Sebastian gefahren. Man hat es schon gemerkt, aber von Tag zu Tag geht es langsam wieder besser. Der Allgemeinzustand ist immer noch ein bisschen Müdigkeit, Kreislauf und alles. Aber es geht langsam wieder bergauf.

Gestern ein großer Empfang im Rathaus in Freiburg. Wenn Ihnen Anfang des Jahres jemand gesagt hätte, dass Sie sich mal ins Goldene Buch der Stadt Freiburg eintragen. Was hätten Sie dem denn gesagt?

Ja wow, es ist natürlich eine Riesenehre. Ich wohne schon zehn Jahre hier und freue mich auf jeden Fall, dass es so viel Aufsehen erregt hat. Die zwei Wochen, die ich da bei der Tour gehabt habe, freut mich sehr. Auch der Empfang gestern war eine Supersache, hat sehr viel Spaß gemacht.

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Der deutsche Radsport hat Nachwuchssorgen. Das wird von vielen Stellen immer wieder gesagt. Sie persönlich sind ja noch Teil der Generation Jan Ullrich, die nach seinem Toursieg 1997 mit dem Radsport-Virus infiziert wurde. Vielleicht die Hoffnung, dass jetzt ihre Fahrt bei der Tour de France auch nochmal so einen kleinen Boom oder zumindest so einen kleinen Anschucker ausgelöst hat?

Also erstmal: Ja genau, ich bin wegen Jan Ullrich zum Radsport gekommen. Auch hoffe natürlich, dass ich jetzt auch mit der Tour, die ich gefahren bin, vielleicht ein paar Jungs und Mädels begeistern konnte für diesen Sport. Darum geht es ja auch. Und das ist es auch, warum man es macht. Verglichen mit dem Boom der 1997 ausgelöst wurde, glaube ich, dass es das vielleicht in Deutschland nie wieder geben wird.

Klar, wenn die deutschen Fahrer gut fahren bei so einem Ereignis wie der Tour, hofft man natürlich, dass es für den Nachwuchs auch wieder ein paar Dinge ins Laufen bringt, die jetzt in den letzten zehn 15 Jahren auf der Strecke geblieben sind.

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Wir haben ja vor Beginn der Tour de France schon zusammen ein Interview gehabt. Da habe ich sie gefragt, was ihre Ziele sind. Dann haben Sie gesagt, das entscheidet man von Tag zu Tag. Man guckt, ob da was geht, ob man mal in eine Spitzengruppe kommt. Ab wann war denn eigentlich klar bei dieser Tour, dass sie ums Bergtrikot fahren werden?

Wir hatten unseren Kapitän verloren, der eigentlich auf die Gesamtwertung fahren wollte. Von daher ist da ein großes Ziel weggefallen, und das war dann auch der Tag, wo ich das Bergtrikot übernommen habe. Dann ja, haben wir uns einfach morgens im Bus neue Ziele gesetzt im Meeting und dann hat es ja an dem Tag mit einem Punkt Vorsprung gereicht. Und so ging es dann immer weiter, mit einem dünnen Vorsprung. Aber Tag für Tag konnten wir das verteidigen, bis dann leider zur letzten Pyrenäen-Etappe es nicht ganz geklappt hat.

Neun Tage haben sie das Trikot tragen dürfen. Wie war denn das Gefühl auf der Etappe, als klar war, dass sie das Trikot verlieren werden? Das haben Sie ja sicherlich über den Funk mitgekriegt. Aber da waren ja noch ein paar Berge zu überwinden. Wie haben Sie sich da gefühlt?

Die Etappe war natürlich schwierig. Ich wusste eigentlich schon am ersten Berg, dass ich mich verabschieden musste, weil ich da an Bergpunkten leer ausgegangen bin. Von daher war das Gefühl natürlich ein bisschen niederschmetternd. Andererseits war ich ja auch ein bisschen froh, dass es vorbei war. Denn ich hatte neun Tage ja nichts anderes gemacht, außer mich auf die Punkte zu konzentrieren und immer ja auch viel Kräfte investiert in den Ausreißergruppen. Niederlagen muss man halt auch akzeptieren. Und das ist was, was man über die Jahre auch lernt. Das gehört ja zum Sport auch dazu.

Das war jetzt die zehnte Tour-Teilnahme für Sie. Sie haben mal gesagt, mit 40 wollen sie nicht mehr auf dem Rad sitzen. Jetzt, mit ein bisschen Abstand: Können Sie sich noch einmal motivieren, vielleicht nächstes Jahr noch mal die Tour de France zu fahren?

Also nächstes Jahr habe ich ja noch einen Vertrag. So oder so, das steht fest, dass ich nächstes Jahr noch fahre. Ich könnte mir natürlich auch vorstellen, wieder die Tour zu fahren. Dieses Jahr hat es natürlich wieder Spaß gemacht. Keine Frage, wenn man gut ist und das Level hat, das Rennen auch ein bisschen zu prägen, dann macht es natürlich deutlich mehr Spaß, als wenn man nur mitfährt und jeden Tag so ein bisschen leidet. Also leiden tut man natürlich immer, aber wenn man vorne leidet, das fällt einem leichter, als wenn man irgendwo an Position 80 oder 100 eigentlich schon am Limit ist. Nächstes Jahr wird für mich eine ganz normale Saison. Ich denke, die Tour wird wieder auf dem Programm stehen. Das wird dann erst im Winter besprochen, wie mein Programm aussieht, da hat das Team natürlich auch ein bisschen Mitspracherecht.

Alles, was darüber dann hinausgeht: Ich glaube nach wie vor nicht, dass ich mit 40 noch Rad fahre - aber ja, noch nächstes Jahr und dann schauen wir mal weiter.

Letzte Frage: Heimvorteil Deutschland-Tour auf dem Schauinsland dieses Jahr, Ende August?

Ja, als Heimspiel werde ich das sehr genießen. Das sind ja wirklich meine Trainingsstrecken, ob jetzt im Kaiserstuhl oder dann auch Horben hoch und Schauinsland sowieso. Ich freue ich mich auf jeden Fall darauf. Das wird auf jeden Fall ein Jahres-Highlight für mich. Ich hoffe, die Form wird bis dahin passen. Von der Erfahrung her, lief es nach der Tour immer recht gut. Von daher glaube ich natürlich, dass ich am Schauinsland vielleicht gut mithalten kann. Aber die Startliste bei der Deutschland-Tour ist, glaube ich, auch ziemlich gut besetzt. Also egal wie die Form ist, ich werde es genießen, hier in Freiburg den Start zu haben und das Ziel am Schauinsland.

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