Vor dem "Grand Départ"

Simon Geschke aus Freiburg fährt entspannt in die Tour de France

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AUTOR/IN
Robert Wolf
ONLINEFASSUNG
Markus Gutting

Am Freitag startet die Tour de France - in Dänemark. Zum zehnten Mal dabei ist Simon Geschke. Er lebt und trainiert in Freiburg.

Am Freitag beginnt die Tour de France. Und wie so oft in den letzten Jahren, ist der Auftakt, der sogenannte "Grand Départ", nicht in Frankreich - sondern in einem anderen europäischen Land. 2022 ist das: Dänemark. Und mit dabei ist auch ein Radprofi, der in Südbaden lebt und trainiert: Simon Geschke aus Freiburg vom französischen Team "Cofidis". Und das schon zum zehnten Mal! Im SWR-Interview erzählt er wie er auf die nächsten drei Wochen blickt.

Herr Geschke, die Tour ist neben der Fußball-WM und Olympia eines der größten Sportereignisse der Welt: Wie fühlt man sich beim Gedanken, dass einem die halbe Welt in den nächsten drei Wochen beim Radeln zuschauen wird?

Das blende ich, so gut es geht, aus. Man merkt natürlich schon, dass hier ein großer Rummel herrscht, aber grundlegend versucht man, die Tour so zu behandeln wie jedes andere Radrennen, das wir im Jahr fahren, um sich mental nicht zu sehr zu stressen.

Sie leben ja schon lange in Freiburg, den Schwarzwald direkt vor der Haustür, die Rheinebene dann direkt daneben – flach und bergig direkt nebeneinander, die perfekten Trainingsbedingungen für einen Radprofi. Wie viel Südbaden steckt denn jetzt vor dem Tourstart gerade in Ihren Beinen?

Sehr viel. Ich bin auch in den Alpen gewesen zum Trainingslager, aber die letzten zwei Wochen vor der Tour habe ich mich ausschließlich in Freiburg vorbereitet. Das ist ein Grund, warum ich da hingezogen bin und nun schon seit zehn Jahren auch da wohne. Diese Trainingsbedingungen haben mir sehr weitergeholfen, mich in den letzten Jahren auf die Rennen vorzubereiten – inklusive der Tour.

2015 war das ja bereits von richtig großem Erfolg gekrönt. Damals haben Sie eine Etappe bei der Tour gewonnen. Mit welchen Erwartungen gehen sie gemeinsam mit Ihrem Team "Cofidis" in die Tour 2022?

Das Ziel für unser Team ist ein Etappensieg. Es ist lange her, dass "Cofidis" eine Etappe gewonnen hat, deswegen ist das das Primärziel. Unser französischer Kapitän Guillaume Martin will auch die Gesamtwertung ein bisschen ins Auge fassen. Aber das größte Ziel bleibt der Etappensieg und da wird jeder Fahrer seine Chance bekommen, je nachdem wie die Etappen sind und wie die Taktik an dem Tag ist. Ich darf es an manchen Tagen sicherlich auch wieder probieren. Von daher bin ich motiviert, was das angeht.

Der Grand Départ der Tour ist ja oft auch in anderen Ländern. Dieses Jahr ist er in Dänemark, da ist es flach und windig. Das wirkt auf den ersten Blick nicht sonderlich schwer. Sie haben sich im Vorfeld der Tour aber auch kritisch über die Streckenplanung geäußert. Warum denn eigentlich?

Ja, nicht direkt dieses Jahr, aber allgemein ist die erste Woche ein bisschen nervös. Ich bin jetzt schon neun Jahre die Tour gefahren und der Trend der letzten Jahre geht halt leider ein bisschen in Richtung Spektakel in der ersten Woche. Dass man zum Beispiel eine Etappe an der Küste fährt oder irgendwo, wo es windanfällig ist oder in diesem Jahr in Nordfrankreich über sehr viele Kopfsteinpflaster-Passagen. Letztes Jahr sind viele Fahrer nach der ersten Woche schon zuhause gewesen. Da hoffe ich, dass es mich nicht erwischt. Ich kritisiere das in dem Maße, dass ich die Frage stelle, inwieweit es wirklich notwendig ist, das größtmögliche Spektakel mit dem Wissen zu machen, dass es auch Stürze geben kann. Das hilft dem Rennen nicht, aber man nimmt es natürlich, wie es kommt und Kopenhagen ist ein sehr schöner Grand Départ. Dänemark ist ein radsportbegeistertes Land und von daher freue ich mich, hier zu sein. Aber allgemein ist es so, dass die ersten Wochen deutlich stressiger geworden sind für uns Fahrer und das verbunden mit einigen Stürzen.

Morgen geht's los mit dem Einzelzeitfahren in Kopenhagen. Was steht heute noch an? Ein bisschen die Beine hochlegen oder doch eher die Beine nochmal in Schwung bringen und noch eine Einheit einlegen?

Wir sind heute Morgen schon eine kleine Runde gefahren. Den Rest des Tages versuchen wir nun, so gut es geht, zu entspannen, bevor es morgen dann losgeht. Wir haben noch Massage und ein generelles Meeting wo der Teamchef uns dann nochmal die Ziele vorträgt, damit wir eine grobe Marschrichtung haben. Aber den Rest des Tages steht die Entspannung im Vordergrund. Es wird der letzte Tag sein, wo man sich nochmal so gut fühlt für die nächsten drei Wochen. An den Ruhetagen fühlt man sich nämlich nicht mehr ganz so gut wie heute und deswegen versucht man nochmal, das zu genießen.

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