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Eine Sepsis endet oft tödlich. Innerhalb kürzester Zeit versagen mehrere Organsysteme. Ein Emmendinger hat eine Blutvergiftung überlebt und freut sich trotz großer Einschränkungen über sein Leben.

"Es ist, wie es ist und es ist viel mehr möglich, als man denkt.“

Michael Zimmermann, Sepsis-Überlebender aus Emmendingen

Kaum zu glauben: Michael Zimmermann hackt Holz. Und das, obwohl er nicht sehen kann und auf Prothesen steht. Doch aufgeben kommt für ihn nicht in Frage. "Das Beil geht einfach! Ich habe das vorher schon gemacht und es geht jetzt auch. Ich habe das Gefühl dafür."

Harmlose OP wird zum Alptraum

Dass der Emmendinger Holz hacken kann, ja, dass er überhaupt noch lebt, grenzt an ein Wunder. Im November 2015 bekam Michael Zimmermann nach einer harmlosen Leistenbruch-OP eine Blutvergiftung. Doch bis die Ärzte die Sepsis erkannten, war sie schon weit fortgeschritten und kaum noch aufzuhalten. Finger und Beine starben ab, weil sie nicht mehr durchblutet wurden, Organe versagten. "Da gehst du heim und heulst, gehst ins Bett, stehst auf und heulst," erzählt Mutter Rosemarie Zimmermann, die wochenlang um ihren Sohn bangen musste. "Dann gehst du wieder ins Krankenhaus, sitzt am Bett hältst die Hand und wartest."

Amputationen unvermeidbar

Eineinhalb Monate lang lag der damals 44-Jährige im Koma, die Ärzte kämpften um sein Leben. Am 21. Dezember verschlechterte sich sein Zustand weiter: eine zweite Sepsis. "Dann waren meine Beine schwarz und dann hat man entschieden am Sonntagmorgen um 7 Uhr, die Beine abzusägen, also zu amputieren", erinnert sich Michael Zimmermann.

Sepsis hat auch den Sehnerv geschädigt

Aber er verliert nicht nur seine Beine, sondern auch sein Augenlicht. Sein bisheriges Leben ist mit einem Schlag vorbei. Klar gab es Momente, da wollte er sterben, sagt er. Aber nur kurz, dann sei für ihn klar gewesen: es muss weitergehen. Jetzt eben im Dunkeln.

Und so entdeckte Michael Zimmermann sein Zuhause neu. Er wusste ja ungefähr, wo was ist. Er hat sich die Dinge gemerkt und ein bisschen geübt. "Ok, dann läuft man halt mal gegen den Türrahmen und gegen eine Tür", sagt er. Aber danach würde er die Orientierung wieder finden.

Aufgeben war keine Option

Von Anfang an war es Michael Zimmermann wichtig, sich komplett selbst zu versorgen. Und: er sucht die Herausforderung. Morgens immer nur Wurst- oder Marmeladenbrot war ihm irgendwann zu langweilig. Er wollte Spiegeleier machen. "Da habe ich das halt einfach mal ausprobiert. Ok, es gab eine Sauerei! Aber da lernt man wieder draus und macht es das nächste Mal anders."

So kämpft sich Michael Zimmermann zurück ins Leben, Stück für Stück. Voller Elan. Sogar Sport macht er wieder - so viel, wie es eben geht. Dafür hat er sich ein Laufband zugelegt. Er hatte auch mal ein Spinning-Bike zum Trainieren. Doch da sei er mit den Beinen nicht klargekommen und zwei Mal runter gefallen. Deshalb habe er es wieder verkauft.

Sogar Hecken schneiden ist wieder drin

Mutter Rosemarie kann nur staunen, was ihr Sohn trotz allem so fertig bringt. Sogar die Hecken würde er wieder schneiden: "Der Hund hat gebellt. Da dachte ich, ich muss mal gucken! Hä, da läuft doch eine Maschine? Dann hat er da angefangen, allein!"

"Klar krieg' ich nicht die Lebensqualität, die ich vorher hatte. Aber ein Stück krieg' ich zurück!“

Michael Zimmermann, Sepsis-Überlebender aus Emmendingen

Michael Zimmermann selbst macht sich keine Sorgen, dass mal was schief gehen könnte. Er will nur eines: weitermachen, weiterleben.

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