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Nach den Zentralen Impfzentren in Offenburg und Freiburg nehmen ab sofort auch die zehn Kreisimpfzentren in Südbaden ihren Betrieb auf. Für jeden Kreis sind 1.000 Impfdosen angekündigt, 80 Prozent davon sollen in Pflegeheime gehen.

Frau bekommt Corona-Impfung (Foto: Imago, imago images / Fotoarena)
Imago imago images / Fotoarena

Nach einer Probephase sind die Kreisimpfzentren in Offenburg, Lahr, Kenzingen, Freiburg, Müllheim, Lörrach, Waldshut-Tiengen, Rottweil, Villingen-Schwenningen und Tuttlingen am Freitag an den Start gegangen. In Freiburg und Offenburg wurden sie in die bereits bestehenden Zentralen Impfzentren integriert.

In jedem Kreis nun mindestens ein Impfzentrum

In Südbaden können sich somit die Menschen an zehn Orten gegen eine Corona-Infektion impfen lassen. Die Kreisimpfzentren verteilen dabei jeweils ihre ersten rund 1.000 Impfdosen unterschiedlich: Die Zahl der Impfungen variiert zwischen 30 und 100 pro Tag.

"Fast wie ein Sechser im Lotto"

83-jährige Lörracherin, die am Freitag geimpft wurde

Auch die Terminvergabe verläuft unterschiedlich: In Lahr und Offenburg sind die Termine der nächsten sieben Wochen bereits vergeben. In Waldshut-Tiengen wird die Vergabe gestaffelt. Dort sollen ab Freitag die nächsten Termine vergeben werden.

Einige Gemeinden helfen bei der Terminvergabe

Einen Impftermin zu ergattern ist bislang allerdings noch schwierig. Vor allem ältere Menschen könnten an dem Verfahren scheitern. In Willstätt im Ortenaukreis gibt es für sie deshalb Unterstützung. Bei Jasna Vogt im Bürgerservice klingelt ununterbrochen das Telefon. Im Ort hat sich herumgesprochen, dass sie für über 80-jährige Menschen Impftermine organisiert. "Seniorinnen und Senioren sind einfach aufgeschmissen, wenn sie sich selbst darum kümmern müssen“, sagt Jasna Vogt. "Telefonisch hängt man lange in der Warteschleife, man wird oft aufgefordert spezielle Nummern weiter zu wählen.“ Eine Überforderung, findet die Gemeindemitarbeiterin.

Land hat Schwierigkeit wohl unterschätzt

In anderen Kommunen schätzt man die Lage ähnlich ein. Deshalb bieten immer mehr Bürgerdienste Unterstützung an. Auch in Mönchweiler bei Villingen-Schwenningen. Die Dienstleistung bezeichnet Bürgermeister Rudolf Fluck als Mammutaufgabe: "Das ist sicher unterschätzt worden von den Sozialträgern und dem Land.“

Bürgeramt oft selbst am Verzweifeln

40 Personen, die sich in Mönchweiler impfen lassen möchten, haben sich bisher an die Gemeinde gewandt. Im Bürgeramt und beim Verein Generationenbrücke versucht man für sie Termine zu organisieren. Doch auch Beatrix Bayer aus dem Bürgeramt verzweifelt mitunter: "Wenn man Glück hat, kommt man durch zu einem Ansprechpartner. Wenn man dann verbunden wird, fällt man oftmals aus der Leitung und muss wieder von vorne anfangen. Oder es heißt, es gibt keine Termine mehr.“  

IT-Experten unterstützen bei Online-Terminvergabe

Auch online ist die Terminorganisation nicht einfacher. Man braucht eine Mail-Adresse, über die maximal vier Impftermine vereinbart werden können. Außerdem ein Handy, um einen Sicherheitscode zu empfangen. Jasna Vogt im Bürgerservice von Willstätt hat inzwischen die IT-Experten der Gemeindeverwaltung einbezogen. Sie sollen zusätzliche Mailadressen beschaffen, damit überhaupt eine größere Zahl von Terminen vereinbart werden kann.

In Willstätt hilft auch der Nachbarschaftsverein

Zur Seite steht Jasna Vogt außerdem der Nachbarschaftsverein "Jung & Alt". Einmal beim Telefonieren und, wenn nötig, auch für Fahrdienste von Willstätt zum Impfzentrum nach Offenburg. Dazu wird auch der Bürgerbus eingesetzt, der aktuell keine Schul- und Kita-Kinder transportieren muss. Doch auch vor Ort brauchen die alten Menschen Hilfe, meint Nachbarschaftshelferin Elwira Walter-Schmidt: "Für viele ist es undenkbar, dass man sie dann vor der Halle einfach absetzt und sich selbst überlässt. Das kann man nicht machen.“ Die ersten Fahrten stehen noch in dieser Woche an. Nachdem erst tagelang keine Termine zu kriegen waren, hat es in Willstätt jetzt für die ersten vier Senioren geklappt.

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