Schweizer Skigebiete leiden unter Schneemangel. (Foto: SFR)

Wintertourismus verändert sich

Schneemangel in Schweizer Skigebieten: Wandern als Alternative?

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AUTOR/IN
R. Prinz
M. Schlott
ONLINEFASSUNG
Anita Westrup

Viel Grün und kein Schnee in Sicht: Viele Schweizer Skigebiete leiden unter dem Schneemangel. Was tun, wenn die Skilifte stillstehen? Einige Bergdörfer setzen auf Wandertouristen.

So haben Touristen sich ihre Winterferien nicht vorgestellt: In Toggenburg im Kanton Sankt Gallen versucht man letzte Schneereste wenigstens für Kinderpisten zusammenzufügen. Auch die Hotellerie im Ort leidet unter dem ausbleibenden Schnee. Ein Gasthaus aus den 1970ern, einst Vorzeigehotel, ist mittlerweile zu einer Ruine verfallen. Diese Entwicklung zeigt, wohin Schneemangel wirtschaftlich führen kann.

Schneekanonen können Schneemangel nicht lindern

Skifahren ist selbst in höheren Lagen derzeit nur vereinzelt möglich. Das können auch Schneekanonen nicht ändern, die inzwischen auf mehr als 50 Prozent der Schweizer Skipisten zum Einsatz kommen. Wegen der Kosten raten Experten, wie Marcus Roller von der Forschungsstelle Tourismus in Bern, zum Umdenken. Die Gemeinden oder Kantone müssten wirklich auch diesen Prozess zulassen und sich fragen, was denn der volkswirtschaftlichen Nutzen dieser einzelnen Bahnen sei, so Roller.

Bergregionen locken Wandertouristen an

Weil Experten schon seit geraumer Zeit davor warnen, noch in Gebiete unterhalb von 2.000 Metern zu investieren, hat die Schweizer Bergregion Lungern-Schönbüel (Kanton Obwalden) neue Wege im Wintertourismus eingeschlagen. Dort setzt man seit sieben Jahren auf mehr Menschen, die mit Wander- statt Skischuhen kommen. Auch ohne Schnee kann man bei Touristen offenbar punkten. "Es gibt keine Skilifte und mondäne Bahnen und daher finde ich das fast schon meditativ, wenn ich da wandern gehe", erzählt die Wanderin Marie-Alice Blum aus Emmen. Ähnlich sieht es auch Spaziergänger Urs Wallimann aus Sarnen: "Man kann die Natur viel besser beobachten, wenn man alleine und ruhig ist. Ich kann anhalten, wo ich will und das ist ein viel größeres Erlebnis."

Grastronomie profitiert von Wanderern

Da die Bergbahn auch im Winter genügend Wanderer nach oben bringt, ist auch die Gastronomie zufrieden mit dem Konzept des sanfteren Tourismus. In Toggenburg setzt man auf das Thema Klangerlebnisse und regionale Kultur als Schneealternative, um Touristen anzulocken.

Die Schweiz zeigt: Auch in Nischen kann man überleben, wenn der Schnee ausbleibt. Die Frage nach Alternativen zum Skitourismus stellt sich auch im Schwarzwald in diesem Jahr lauter denn je. Erfahrungen aus der benachbarten Schweiz könnten vielleicht auch für höher gelegene Schwarzwald-Gemeinden lehrreich sein.

Die ganze Sendung Dreiland Aktuell vom 7. Januar 2023:

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