Schweizer Politiker an deutscher Idee für das Neun-Euro-Ticket interessiert (Foto: SWR, SRF)

Kritik von Verkehrsvertretern

Schweizer Politiker wollen auch so etwas wie ein Neun-Euro-Ticket

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Die Nachfrage nach dem Neun-Euro-Ticket in Deutschland ist riesig. Auch in der Schweiz ist man jetzt an so etwas interessiert.

Ab kommenden Mittwoch heißt es Bahn frei: Dann können Fahr-Gäste ein Viertel-Jahr für nur neun Euro im Monat den öffentlichen Nahverkehr in ganz Deutschland nutzen. Ein Neun-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr, um Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen: Einige Schweizer Politiker finden die Idee richtig gut und wollen sie in ihrem Land ebenfalls umsetzen.

Verkehrspolitiker und Nationalrat Matthias Aebischer von den Sozialdemokraten zum Beispiel wünscht sich so ein Ticket auch für die Schweiz: "Ich hätte natürlich schon gerne ein Neun-Euro-Ticket, mit dem man einen ganzen Monat gratis fahren kann. Aber mir würde auch schon eine Tageskarte bis zu zehn Franken etwa langen, damit Leute, die sonst das Auto nehmen den ÖPNV nutzen." Auch die Grünen finden die Idee prinzipiell gut, wollen aber dass nur bestimmte Gruppen profitieren, zum Beispiel Familien.

Doch bei manchen Verkehrsvertretern kommt die Idee der günstigen Monatstickets nicht gut an. Bei Ueli Stückelberger etwa, dem Direktor des Verbands Öffentlicher Verkehr Schweiz: "Ich halte nicht viel von dieser Lösung. Erstens ist die Situation für Deutschland mit der Schweiz nicht vergleichbar und zweitens ist das nicht nachhaltig. Wir brauchen längerfristige Lösungen. Wir wollen Leute dazu gewinnen, aber nicht mit Aktionen, die nach wenigen Monaten schon wieder aufhören."

Ein Neun-Euro-Monatsticket sei unrealistisch für die Schweiz, heißt es bei der Alliance Swiss Pass, der Branchenorganisation, zu der auch die Schweizer Bundesbahn gehört. Denn die finanziellen Ausfälle während der Pandemie seien zu einem großen Teil an der öffentlichen Hand hängen geblieben.

Für Matthias Aebischer, dem sozialdemokratischen schweizer Nationalrat indessen ist klar: "Wir müssen dem Bundesrat sagen, dass wir die Leute in der Krise jetzt entlasten müssen. Aber nicht Diesel und Benzin günstiger machen, sondern die Leute zum Öffentlichen Nahverkehr bringen."

Kommende Woche trägt Aebischer seine Idee nach Bern - dann muss sich der Bundesrat damit befassen.

Mitschnitt vom 29.5.2022 - Dreiland Aktuell ab 4:46

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