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Die Schweiz lockert ihre Corona-Bremse: Von Montag an dürfen Kinos, Theater, Fitness-Center und Terrassen von Restaurants und Bars wieder öffnen. Obwohl die Infektionszahlen steigen. Einige Virologen und Politiker halten die Lockerungen für verfrüht.

Filme schauen im Kino, eine Oper im Theater besuchen, Hanteln im Fitnessstudio stemmen oder einen Wein auf der Restaurant-Terrasse trinken - all das ist von Montag in der Schweiz offiziell wieder möglich, obwohl sich die Corona-Lage in den vergangenen Wochen verschlechtert hat. Die Infektionszahlen steigen und sind teilweise deutlich höher als in Baden-Württemberg. Schweizer Virologen und einige Politiker halten die Lockerungen deshalb für unverantwortlich. Museen und Geschäfte sind schon länger wieder auf.

Maximal 50 Gäste sind zugelassen

Sowohl in Restaurants als auch bei Veranstaltungen gelten strikte Vorschriften. Auf Terrassen darf nur im Sitzen konsumiert werden, es dürfen nur vier Personen am Tisch sitzen und Masken dürfen nur zum Essen oder Trinken abgenommen werden. Überall muss Abstand gehalten werden. In Kinos, Theatern und Konzert-Häusern dürfen höchstens 50 Gäste eingelassen werden. Bei kleineren Räumen darf nur ein Drittel der Sitze genutzt werden. Bei Veranstaltungen im Freien - wie Open-Air-Konzerten und Fußballspielen - sind 100 Zuschauer erlaubt. Alexander Bücheli, Generalsekretär von Promoter Suisse, dem Schweizer Dachverband der Konzert-, Club-, Show- und Festival-Veranstaltungsbranche, sagt: "Grundsätzlich ist es positiv, dass Kultur wieder stattfinden kann. Aufgrund der eingeschränkten Raum-Bedingungen ist die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben, weshalb Tausende von Kultur-Einrichtungen geschlossen sein werden."


Verhalten fällt auch die Reaktion der Gastronomie auf die Lockerungen aus. Denn geöffnet werden nur die Terrassen der Restaurants und Bars. Daniel Borner, Direktor GastroSuisse, findet, dass die Freizeit- und Kulturbranche bevorteilt wird: "Die Außenbereiche werden jetzt geöffnet, aber das lässt sich kaum rentabel betreiben und gleichzeitig öffnet der Bundesrat jetzt Fitness-Center und Kinos und das betrachten wir als Ungleichbehandlung."

Gesundheitsminister: "Situation bleibt fragil"

Die Schweizer Regierung hatte sich trotz steigender Infektionszahlen zu den Öffnungen entschlossen. "Die Zahlen steigen zwar, aber nicht sehr stark", sagte Gesundheitsminister Alain Berset vergangene Woche. "Die Situation in der heutigen Zeit bleibt ziemlich fragil und jeder Öffnungsschritt ist ein Risiko, das ist klar. Deshalb müssen wir vorsichtig bleiben", so Berset. "Aber wenn wir richtig aufpassen und die Maßnahmen sind gut umgesetzt, muss es möglich sein ohne Jo-Jo-Effekt wirklich eine gute Entwicklung zu haben. Parallel mit der Entwicklung der Testung und auch mit der Entwicklung der Impfung."

Der Bundesrat sieht in den Lockerungen durchaus ein Risiko, hält es aber für vertretbar, weil die Fallzahlen nicht stark stiegen. In Basel plant die Stadt dennoch zusätzliche Maßnahmen in lokalen Hotspots, wie etwa Alkohol-Verbote - damit die Infektionszahlen nicht weiter ansteigen.

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