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Die Behörden im Landkreis Rottweil lösen einen Schweinezuchtbetrieb auf, der massiv gegen Tierschutzgesetze verstoßen haben soll. Auslöser sind Recherchen des ARD-Politikmagazins Report Mainz.

Das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium und das Rottweiler Landratsamt kündigten die Schließung am Montag an. Die ersten rund 200 Ferkel wurden demnach bereits am Wochenende in einen anderen Betrieb gebracht. Nach und nach sollen alle Tiere des Betriebs woanders unterkommen.

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Anwohner hörte die Schweine schreien

Tiere mit abgefressenen Schwänzen und Ohren, Schweine, die andere tot beißen und ein Landwirt, der seine Tiere schlägt. Bilder, die das zeigen, spielte die Organisation "Soko Tierschutz e. V." Report Mainz zu und brachte damit den Ball ins Rollen. Entdeckt hatte die Missstände ein Mann, der in der Nähe des Hofes wohnt. Beim Spazierengehen habe er die Schweine schreien gehört: "Dann habe ich gesehen, wie Schweine alle in Käfigen drin liegen, die kleiner waren, als sie selbst. Da drin sieht es aus wie Sau - dreckig, es stinkt, alles ist voller Fliegen."

Totes Ferkel in einem Schweinestall (Foto: Soko Tierschutz e. V.)
Dieses Bild stammt nach Angaben von Tierschützern aus dem betroffenen Schweinestall im Landkreis Rottweil Soko Tierschutz e. V.

Landwirt gilt als gut vernetzt

Er setzte sich mit dem zuständigen Veterinäramt in Rottweil in Verbindung. Dort gab es dem Anwohner zufolge aber Bedenken, gegen den Landwirt vorzugehen. Denn es handelt sich um den Ortsvorsteher und Kreisobmann des Bauernverbandes in Baden-Württemberg. Er gilt als politisch gut vernetzt, auch mit dem Landrat, der für das Veterinäramt zuständig ist. Der Landwirt trat aber auch bei Veranstaltungen mit dem Landwirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Peter Hauk, und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (beide CDU) auf.

Tierschützer: "Stall wirklich ein Albtraum"

Die Tierschützer werfen den Behörden vor, nur zögerlich reagiert zu haben. Sie seien seit mehr als zwei Monaten über die Zustände informiert gewesen. "Selbst nach den Maßstäben der Massentierhaltung ist dieser Stall wirklich ein Albtraum", sagt Friedrich Mülln von "Soko Tierschutz". Der betroffene Landwirt bezeichnete im Interview mit Report die Zustände in seinem Stall dagegen als grundsätzlich in Ordnung. Auf die Frage, wie es dazu komme, dass die Tiere so aussehen, antwortet er: "Weil sie gestritten haben, Kannibalismus."

Mängel bereits im Juli festgestellt

Das Rottweiler Veterinäramt teilte schriftlich mit, in der Vergangenheit sei der Betrieb nicht auffällig gewesen. Bei einer ersten Überprüfung des Schweinehaltungsbetriebes im Juli seien bereits erhebliche tierschutzrelevante Mängel zutage getreten, so das Amt. Auf Hinweis der Tierschützer und eine Anfrage von Report Mainz hin wurde der Betrieb am Freitag erneut geprüft. Dabei hätten sich dann erhebliche Mängel gezeigt, schreibt das Amt. Angeordnete Sofortmaßnahmen hätten die Lage nicht deutlich verbessert. Den Behörden zufolge läuft inzwischen eine Strafanzeige gegen den Schweinezüchter.

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