Landwirte im Schwarzwald wehren sich gegen die Ansiedelung des Wolfes. (Foto: Julian Stratenschulte)

Jungrind von Wolf gerissen

Schwarzwaldbauern verlangen besseren Wolfsschutz

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Im November hat ein Wolf im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald ein Kalb gerissen. Die Viehhalter im Schwarzwald sind zunehmend beunruhigt und fordern eine bessere Unterstützung.

Der Wolf, ein streng geschütztes Tier, ist im Schwarzwald wieder heimisch. Mindestens zwei Rüden sind dort inzwischen sesshaft. Die Landesregierung sagt, man müsse lernen, mit dem Wolf zu leben. Die Landwirte sind darüber alles andere als erfreut.

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Grausiger Fund auf Weide

Am 21. November war schönes Wetter in Langenordnach, einem Teilort von Titisee-Neustadt (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Mario Wursthorn beschloss, seine fünf Jungrinder noch eine Nacht länger auf der Weide zu lassen, wo sie bereits den ganzen Sommer verbracht hatten. Eine fatale Entscheidung: Als der Vater des Viehhalters, Karl Wursthorn, am nächsten Morgen die acht Monate alten Tiere holen wollte, lag eines tot und blutüberströmt im Gras.

"Ich bin ganz erschrocken! So etwas hatte ich noch nie gesehen. Es war total zerbissen, der Schwanz war weg, die Gedärme hingen heraus. Es hat wirklich übelst ausgesehen."

Karl und Mario Wursthorn, aufgenommen im Stall (Foto: SWR, Gabi Krings)
Karl und Mario Wursthorn (v.l.n.r.) haben ein Kalb an den Wolf verloren Gabi Krings

Genanalyse bestätigt Verdacht

Obwohl der typische Kehlbiss fehlte, lag der Verdacht nahe, dass ein Wolf das Kalb erlegt hatte. Am 9. Dezember bestätigte dies die Forstliche Versuchsanstalt Freiburg nach einer Genanalyse: Demnach hat der inzwischen in der Region sesshafte Wolf GW 1129m das Jungrind erlegt.

Das erste Mal ein Rind gerissen

Es ist das erste Mal, dass sich ein Wolf im Schwarzwald ein so großes Nutztier geholt hat. Bislang waren Ziegen und Schafe im Visier des Raubtieres. Für den Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband BLHV ist damit eine rote Linie überschritten.

"Ein Wolf, der so etwas macht, muss vergrämt oder entnommen werden. Denn wenn er es einmal gemacht hat, wird er es auch öfter machen."

Wolfszäune nicht praktikabel

Bauern im so genannten Wolfsschutzgebiet bekommen Prämien, um so genannte Wolfsschutzzäune um ihre Weiden zu bauen. Bislang hat es noch kein Wolf geschafft, solche Zäune zu überwinden. Auf Kuhweiden sind sie allerdings bisher noch nicht üblich. Überhaupt: Die Schwarzwaldbauern halten nicht viel von diesen Wolfszäunen. Zum einen ist der Aufwand enorm, vor allem auch aufgrund der steilen Hanglagen. In dem schwierigen Gelände sei eine Umzäunung auch oft gar nicht möglich. Zum anderen kreuzten auch viele Wanderwege das Gebiet, so dass die Wolfssicherung auch dem Tourismus schaden würde, heißt es.

Wolf ist streng geschütztes Tier

An der Forstlichen Versuch- und Forschungsanstalt in Freiburg kennt man die Argumente. Wolfsexperte Micha Herdtfelder setzt auf Dialog. Nur gemeinsam gelinge es, gute Lösungen zu erarbeiten. Wichtig sei jedoch, dass es nun darum geht, mit dem Wolf zu leben. GW 1129m sei auch kein Problemwolf. Der Rüde sei seit 2019 im Hochschwarzwald sesshaft und habe vor dem Kalbriss noch keine Nutztiere erlegt.

"Die Rückkehr der Wölfe verunsichert natürlich. Unsere Aufgabe ist, die Tierhaltenden so zu beraten, dass sie wissen, welche Herdenschutzmaßnahmen für sie passend sind. Das ist für sie natürlich ein großer Aufwand, aber es gibt keine Alternative. Der Wolf kommt und man muss entsprechend reagieren.“

Verband befürchtet Höfesterben

Sollten sich die Wölfe im Schwarzwald vermehren, würde sich der Konflikt weiter zuspitzen. Ein Ende der Weidewirtschaft und ein weiteres Höfesterben könnte die Folge sein, befürchtet der BLHV. Kälberhalter Mario Wursthorn aus Langenordnach bekommt vom Land eine Entschädigung für das erlegte Kalb. Der 38-jährige Nebenerwerbslandwirt will sich noch nicht unterkriegen lassen. Nächstes Jahr wird er seine Tiere wieder auf die Weide lassen, allerdings mit einem etwas mulmigen Gefühl. "Wir werden weiterschauen, wie es sich mit dem Wolf verhalten wird. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es für ein Rudel im Schwarzwald keinen Platz gibt.“

Waldshut-Tiengen

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