Der Ast eines Apfelbaumes ist vom Schwarzen Rindenbrand befallen (Foto: SWR)

Vermehrt auftretende Baumkrankheit

Schwarzer Rindenbrand: Obstbauern am Hochrhein sind besorgt

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Der schwarze Rindenbrand bei Obstbäumen ist am Hochrhein auf dem Vormarsch. Die Baumkrankheit tritt seit 2003 vermehrt auf.

"Schwarzer Rindenbrand" - seit etwa 20 Jahren breitet sich diese Krankheit bei Obstbäumen am Hochrhein aus. Bäume, die davon befallen sind, müssen im schlimmsten Fall ausgerissen werden. Die Streuobstwiese der Familie Sutter etwa in Hohentengen-Lienheim (Kreis Waldshut) ist auch davon betroffen. SWR-Reporterin Andrea Worthmann war vor Ort.

Hier der komplette Radio-Beitrag zum Nachhören:

Apfelbäume blühen auf der saftigen Wiese. Insekten und Bienen surren um die Blüten, die Sonne scheint. Doch der Frieden trügt. Nähert man sich den Bäumen, entdeckt man kleine, aber auch großflächige, schwarze, wie verbrannt aussehende Stellen. Der Schwarze Rindenbrand - er macht seinem Namen alle Ehre und hat sich auf der knapp zehn Hektar großen Wiese ausgebreitet. Es handelt sich um einen Pilz, der in die Rinde der Bäume eindringt und diese abtötet.

"Die Ursache ist Trockenheit und das Klima, die Klimaerwärmung, die wir haben. Diese Hitze. Darunter leiden die Bäume, sind geschwächt."

Guter Rat für Obstbauern: Baum-Schnittwerkzeuge desinfizieren

Michaela Berthold- Sieber ist Fachwirtin für Obst- und Gartenbau sowie Landwirtschaftshilfe auf dem Sutterhof. Zwar sind nicht alle Bäume auf der Streuobstwiese befallen, aber das Risiko einer Übertragung ist gegeben. Denn hat die Rinde bereits Risse, kann der Pilz ungehindert eindringen. Bei Starkregen etwa können die hochspritzenden Tropfen bereits infektiös sein. Die Gartenbauspezialistin rät: "Ganz wichtig, wenn man Bäume beschneidet, ist das Desinfizieren der Schnittwerkzeuge. Im Idealfall auch noch von Baum zu Baum. Einfach mit reinem Alkohol die Schere oder die Säge kurz absprühen, einwirken lassen, dass man es nicht von einem zum anderen Baum trägt."

Bei großflächigem Befall mit Rindenbrand: Ausreißen und verbrennen

Aber wenn es dennoch trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen zu dem Befall mit dem schwarzen Rindenbrand gekommen ist - wie bei den Bäumen des Sutterhofes - erklärt Besitzerin Anna Sutter sichtlich geknickt, dann helfen nur noch Radikal-Maßnahmen: "Wenn es großflächig ist am Stamm, habe ich eigentlich nur noch die Chance, ihn auszureißen und zu verbrennen. Vor Ort, damit sich das Zeug nicht noch weiterverbreitet. Wenn es an Ästen ist und wenn ich es früh genug entdecke, dann kann ich die entfernen und verbrennen - und hoffen, dass der Pilz somit komplett entfernt wurde."

Vorbeugung gegen Schwarzen Rindenbrand: Weißel-Anstrich mit Kupfer

Um dem Befall vorzubeugen oder noch frühzeitig eine Ausbreitung zu verhindern, gibt es neben reichlich wässern und düngen auch noch andere Möglichkeiten, weiß Michaela Berthold-Sieber: "Wenn man die Stelle sieht, an der es anfängt, kann man es abkratzen mit einer feinen Bürste und dann: Anstreichen. Der Erwerb verwendet eine weiße Farbe mit Kupfer drin, weil Kupfer ist pilzhemmend. Das ist also auch nur vorbeugend."

Projektleiter Jan Hinrichs-Berger untersucht eine Diplodia-Rindenpilz-Probe (Foto: SWR)
Untersuchung einer Rindenpilz-Probe im Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg

Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg in Karlsruhe-Durlach forscht seit der großen Sommerhitze 2003 an der Baumkrankheit. Das LTZ ermittelt in einem vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg geförderten Projekt Abwehrstrategien gegen den Schwarzen Rindenbrand. So empfiehlt es den Weißel-Anstrich der Stämme. Das würde auch Bienen, Schmetterlinge und Insekten nicht stören und sie können weiterhin in ihren Lebensraum gefahrlos nutzen.

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