Sargmöbel aus Schreinerhand (Foto: SWR)

Pop-up Sarg-Ausstellung

Innovative Sarg-Möbel aus Freiburger Schreinerhand

STAND
AUTOR/IN
Henning Winter

Särge eines Freiburger Schreiners sind nicht erst mit dem Tod gefragt. Im Leben dienen sie bereits als Möbel für alles mögliche.

Für seine schönen Alltagmöbel, die funktional und innovativ sind, ist Schreiner Johannes Wittich aus Freiburg bekannt. Doch was er demnächst mit seinen Kollegen in einem Pop-up Laden in Freiburg ausstellt, das macht nachdenklich: Die Ausstellungsstücke sind nämlich Sarg-Möbel. Auf die Idee kam er, als er einem guten Freund einen Sarg geschreinert hat.

Wittich ist mit den Ausstellungsstücken für die kleine Pop-up Ausstellung zufrieden: "Ein Reise-Sarg, der anschließend als DJ-Tisch verwendet wird, für Schallplattenspieler und die Platten, die später aufgelegt werden. Das ist ein Sarg, wie ihn sich viele Leute wünschen - einfach eine Transportkiste, wie sie auch für den Maschinenbau verwendet wird. Dann haben wir den Tuch-Sarg. Er ist federleicht und wird am Schluss zugenäht. Es ist eine schöne Aufgabe für die Angehörigen, gemeinsam zu nähen."

Wichtig ist der Moment des Abschiednehmens

Eine weiche, glatte Kiste aus Schwarzwälder Weißtanne dient zu Lebzeiten als Sitzbank und Schuhregal. Nur die Bretter muss man rausnehmen und schon ist der Sarg fertig. Ob nun die Schuhe ausgeräumt werden oder das Tuch zugenäht wird, Johannes Wittich geht es immer um den Moment des Abschiednehmens.

"Dieser Moment, Deckel drauflegen, zumachen und irgendwie klar machen, man kann auch Nägel reinschlagen. Etwa diese Transportkiste. Da ist gedacht, dass zwei Hämmer dabei liegen für die Angehörigen. Dann dürfen sie alle zu klopfen."

Dass sich Johannes Wittich auf diese Art und Weise mit dem Tod auseinandersetzt hat einen Grund. Erst vor kurzem musste er von einem guten Freund Abschied nehmen. Dieser bat ihn um einen letzten Freundschaftsdienst: Einen handgefertigten Sarg.

Die Arbeit mit Särgen als Trauerbewältigung

"Mein Freund war so drauf, dass er sagte, er will einfach nur eine Kiste. Ich konnte gut mitgehen und habe ihm eine Kiste gebaut und dann auch noch verziert", erzählt Wittich ruhig. Die Arbeit als Trauerbewältigung. Das Formen des Holzes, die Geräusche der Maschinen, der Staub der Veränderung: Die Narben, die das Leben hinterlässt. Für Wittich ein wichtiger Moment, denn, so erinnert er sich, "konnte ich mit dem Körper arbeiten. Ich konnte den Kopf abschalten. Ich konnte die Späne fliegen lassen. Ich habe gehustet. Ich habe im Staub gestanden und habe gesehen, wie dieser Sarg entsteht, der ihn dann aufnehmen soll."

Die Sarg-Möbel versöhnen, die Johannes Wittich und seine Kollegen kreieren, das Leben wird gefeiert. Bis in den Tod. Und der ist gelegentlich profan, wenn es darum geht, was der Gesetzgeber fordert. Aber die Eckdaten, sind Johannes Wittich geläufig: "Die weiß ich schon: zwei Meter lang, 60 bis 70 Zentimeter breit, 50 Zentimeter hoch. Flüssigkeitsdicht. Verschließbar. Keine schädlichen Lacke, die bei der Verbrennung oder bei der Verrottung ausdünsten. Das war es eigentlich schon."

Letzte Ruhe im Sarg darf auch bunt sein

Auch so kann ein Sarg aussehen: außen hell und innen bunt. Aufgestellt dient er zeitlebens als Regal - "und die Fachböden zusammen mit den Griffen bilden Hocker, auf denen man dann, wenn jemand verstorben ist, die Totenwache halten kann."

Zeit nehmen für den Abschied. Die Sarg-Möbel des Freiburger Schreiners Johannes Wittich machen’s möglich.

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