STAND

Oft dauert es viel zu lange, bis jugendliche Straftäter vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden. Das soll sich mit den Haus des Jugendrechts in Offenburg ändern.

Ein Staatsanwalt, sechs Polizeibeamte ein Sozialarbeiter und eine Assistentin gehören zur Stammmannschaft im Haus des Jugendrechts und arbeiten Tür an Tür.

Wer diesem Team Gesellschaft leistet, hat in der Regel etwas ausgefressen. Was sie im Haus des Jugendrechts erwartet, beschreibt Offenburgs leitender Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer:

Jugendamt sitzt mit am Tisch

"Wenn es eine Straftat gibt, beispielsweise einen Ladendiebstahl, dann wird derjenige in das Haus gebracht. Die Eltern werden informiert und es gibt eine Fallkonferenz und die Eltern werden informiert. Auch Vertreter des Jugendamtes sind dabei. Dabei soll gleich eine Entscheidung getroffen werden, was geschehen soll."

Erzieherischer Effekt gewünscht

In minder schweren Fällen oder wenn ein Ersttäter vor den Beamten sitzt, werde häufig Arbeitsdienst verhängt und der Jugendliche mitunter gleich vermittelt, sagt Schäfer. Der junge Straftäter muss dann sofort seinen Dienst antreten und ihm steht außerdem noch ein pädagogischer Teil bevor. Dabei geht es darum, dem Jugendlichen die Konsequenzen seines Handelns aufzuzeigen und mit ihm eine Lebensperspektive zu entwickeln.

Für den Erfolg dieses Modells ist die räumliche Nähe der Beteiligten sehr wichtig, aber auch das Vertrauen zueinander, über die Institutionen hinweg.

Gerichte nicht beteiligt

Nicht im Haus vertreten sind die Gerichte. Sie müssen ihre Unabhängigkeit wahren und dürften ohnehin nicht an Fallbesprechungen teilnehmen. Doch auch sie profitieren vom neuen Modell, weil Informationen gebündelt bei den Richtern ankommen.

Möglichst viele Standorte im Land

Nachdem in Offenburg das landesweit sechste Haus des Jugendrechts erfolgreich betrieben wird, soll bald in Villingen-Schwenningen ein weiteres entstehen. Die Städte Lahr und Kehl haben ebenfalls Interesse angemeldet und Justizminister Guido Wolf hat bei seinem Besuch in Offenburg zugesagt: "Ziel ist es, Häuser des Jugendrechts möglichts flächendeckend im ganzen Land zu errichten."

STAND
AUTOR/IN