Archäologische Sensation

Grenzach-Wyhlen: Römischer Brunnen bei Bauarbeiten entdeckt

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In Grenzach-Wyhlen entsteht gerade ein Neubaugebiet. Bei den Bauarbeiten dafür kam eine archäologische Sensation zum Vorschein.

Von weitem sieht die Grabungsstätte aus wie ein überdimensionaler Trichter eines Ameisenlöwens: acht Meter tief im Rheinschotter, der obere Trichter-Rand 20 mal 20 Meter und am unteren Ende ein 90 Zentimeter breites Loch, überdacht und am Rand abgesichert. Nur dass in dem Loch kein Ameisenlöwe sitzt, sondern ein behelmter Mann, der mitsamt Eimer an einer Winde in den Schacht des römischen Brunnens hinab gelassen wird.

Gertrud Kuhnle vom Landesamt für Denkmalschutz erklärt mit einem Blick in den Schacht, es sei nach seiner Kenntnis der einzige römische Brunnen, der derzeit ausgegraben wird und der vor allem sehr tief angelegt worden ist von den Römern. Aber man wisse noch nicht wie tief genau. Aktuell liege die Brunnentiefe bei zwölfeinhalb Metern. Stillgelegte Brunnen wurden früher von Römern mit Abfällen verfüllt – eine wahre Fundgrube für Archäologen also.

Mann mit Helm sitzt am Brunnenschacht (Foto: SWR, Laura Könsler)
Ein Grabungshelfer vor dem Abseilen in den römischen Brunnenschacht Laura Könsler

Archäologen hoch beglückt über römischen Brunnen-Fund

Gertrud Kuhnle berichtet erfreut: "Besonders spannend war, dass wir über zwei drei Meter in einer größeren Tiefe nur Tierknochenfragmente vorgefunden haben. Dann aber auch Keramikscherben und es wird wahrscheinlich noch spannender, je weiter wir runter kommen. Da müsste dann ein Feuchtbereich kommen und wenn es feucht ist, werden auch organische Reste besser erhalten."

…. und die gäben schließlich Auskunft über die Natur- und Kulturlandschaft, über die Lebensweise und über den Speiseplan der Römer am Hochrhein. Klar ist, dass der Brunnen in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christus verfüllt wurde. Doch ob er zu einer Straßenstation oder einem Gutshof gehörte, da rätseln die Wissenschaftler noch.

Blick in den beleuchteten Brunnenschacht  (Foto: SWR, Laura Könsler)
Der Brunnengrund ist hier 4,5 Meter tief. 7,5 Meter wurden bereits abgetragen und ausgeräumt. Noch ist kein Grundwasser zu sehen. Laura Könsler

Gutshof oder Straßenstation? - Die Recherchen laufen

Laut Aussagen von Gertrud Kuhnle sei das ist etwas schwierig zu sagen: "Wir haben hier auf der Fläche drei Gebäude mit Steinfundamenten, eben den Brunnen und noch einen Steinkeller. Aber wir haben kein Gebäude, das wir als Badegebäude ausweisen können. Das bräuchten wir um sagen zu können, das war ein Gutshof oder eine Straßenstation. Also da müssen wir noch ein bisschen recherchieren, um das richtig interpretieren zu können."

Die wissenschaftlichen Arbeiten gehen also noch lange weiter, auch wenn der römische Brunnen dann wieder im Untergrund verschwunden ist. Denn eigentlich wird der Fundort ja ein gerade entstehendes Neubaugebiet. Doch von dem Brunnen gibt es ein 3D-Modell und die obere Brunnenfassung wird irgendwo im Neubaugebiet als Erinnerung an die frühere Besiedlung wieder aufgebaut.

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