Ringo P.: Ex-Junkie mit Mission  (Foto: SWR)

Ringo P. hat eine Mission

Ex-Junkie klärt in Waldshut über Drogen auf

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AUTOR/IN
Petra Jehle

Ringo P. hat 20 Jahre lang Drogen genommen und wäre mehrfach fast gestorben. Nun geht er mit der Polizei in Schulen und klärt über Drogen auf. Gott hat ihn gerettet, sagt er.

Seine Freunde in der Frankfurter Drogenszene nannten ihn "Ringo“. Er hat mehr 20 Jahre lang alle Drogen genommen, die er bekommen konnte: Haschisch, Heroin, Morphium - immer tiefer geriet er in die Sucht. Mehrfach wäre er fast daran gestorben, sagt er rückblickend. Ringo P. war Junkie und wurde kriminiell.

An vieles von damals kann er sich gar nicht erinnern und vieles hat er verpasst: die erste Liebe zum Beispiel. Statt dessen war sein Leben damals nur noch eine Jagd nach Geld und Drogen, sagt er heute und findet, dass er sein Leben vertan hat für die Droge.

Er bestahl auch seine Familie und seine Freunde, um seine Sucht zu finanzieren. Um die 500 D-Mark habe er jeden Tag gebraucht, erzählt er. Er glaubt, dass er mehr als eine Million D-Mark für seine Sucht ausgegeben hat. Wenn er seine Geschichte erzählt, nennt er sich immer noch "Ringo", denn damit will er seine Familie und sein neues Leben schützen.

"Ich wusste nicht mehr, ob es Frühling war oder Sommer, Herbst oder Winter."

An den Tag, an dem er sein neues Leben begann, kann er sich genau erinnern. Es war der 17. Januar 1993. "Ich habe 54 Kilo gewogen und war dem Tod näher als dem Leben", so beschreibt er seine Situation heute, 30 Jahre später. An diesem Tag im Gefängnis sei er auf die Knie gefallen und habe Gott angeschrien, etwas in seinem Leben zu ändern.

Ringo P.: Vom Junkie zum Präventionsberater  (Foto: SWR)
Ringo P. nach seiner Zeit im Gefängnis

"Ich habe 54 Kilo gewogen und war dem Tod näher als dem Leben."

Gott habe ihn damals gerettet, ist der gläubige 66-Jährige heute überzeugt. "Gott hat mir die Menschenwürde zurück gegeben", sagt er dankbar. Seit diesem Tag im Gefängnis ist er clean, nimmt keine Drogen mehr und versucht, andere vor diesem Schicksal zu bewahren. Zusammen mit der Polizei geht er deshalb in Schulklassen und hat seine Geschichte zusammen mit einem Journalisten aufgeschrieben.

"Gott gibt mir immer wieder dieses Gefühl, diese Liebe, diese Geborgenheit, die Zuwendung, die ich auf Droge gesucht habe.“

Der Radiobeitrag zum Nachhören:

Bis heute leidet Ringo P. unter den Folgen seiner exzessiven Drogensucht: Er nimmt Medikamente, muss einen Alltag genau planen, häufige Pausen einlegen und hat deshalb einen Schwerhindertenausweis. Sein Tagesablauf ist genau strukturiert: Er trainiert seinen Körper und macht regelmässig Spaziergänge mit seinem Hund Teddy.

Ringo P.: Vom Junkie zum Präventionsberater  (Foto: SWR)
Ringo P. findet Halt im Glauben und in der Familie

"Gott gibt mir die Liebe, die Geborgenheit, die Zuwendung, die ich auf Droge gesucht habe.“

Mit seinem Leben als Junkie habe er abgeschlossen und mit der Vergangenheit seinen Frieden gemacht, sagt er rückblickend. Für sein neues Leben ist er dankbar: Seine Familie und sein Glaube geben ihm Halt und den Sinn, den er in seinem Leben gesucht hat.

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Petra Jehle