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Hat die Antibabypille bei einer junge Frau eine schwere Lungenembolie verursacht? Darum wird seit Jahren gestritten. Jetzt in einer Berufungsverhandlung am Oberlandesgericht in Freiburg.

Eine Frau aus Bad Säckingen hatte 2009 eine schwere Lungenembolie erlitten, die sie auf die Antibabypille "Yasminelle" zurückführt. Damals war sie 25, wäre fast gestorben und trug schwere Folgeschäden davon. Die Frau, die inzwischen in der Ortenau wohnt, verklagte den Pharmakonzern Bayer auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Das Landgericht Waldshut-Tiengen gab ihr 2018 aber nicht Recht. Nun läuft die Berufungsverhandlung in Freiburg. Der Zivilsenat des Oberlandesgerichts in Freiburg will Ende Juni eine Entscheidung verkünden.

Klägerin Felicitas Rohrer geht es um Gerechtigkeit

Die Klägerin Felicitas Rohrer möchte, dass der Pharmakonzern Bayer Verantwortung übernimmt. Sie sei froh, dass sich das Gericht mit dem Fall detailliert auseinandersetzt, sagt sie. Und sie ist in der Beweislast. Denn der Konzern argumentiert, sie habe vor der Lungenembolie zwei Langstreckenflüge – einen nach Thailand, und einen zurück – gemacht, und außerdem habe sie eine Venen-Anomalie, das sei der Auslöser für die schwere Lungenembolie gewesen - und nicht die Pille.

Der Fall ist kniffelig

Es gibt nur wenig Datenmaterial: nur zwei Studien zu Langstreckenflügen und Thrombosen - zur Venenanomalie nur eine Fallstudie von 26 ähnlichen Fällen. Ein medizinischer Gutachter wurde am Dienstag dazu ausführlich von allen Beteiligten befragt.

Nach mehrstündiger Diskussion um Wahrscheinlichkeiten und Fallzahlen aus Studien sagte der Gutachter, je länger er sich mit dem Fall befasst habe, desto unsicherer sei er geworden. Und die Richterin des Oberlandesgerichts wies darauf hin, dass Kausalitätsbeweise im Arzneimittelbereich sehr schwer zu führen seien.

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