Psychologin aus Lörrach

Studie der Uni Basel: Wie ticken Verschwörungsgläubige?

STAND
AUTOR/IN
MODERATOR/IN

Verschwörungserzählungen haben in der Corona-Pandemie stark zugenommen. Viele halten sie für Quatsch, andere sind davon überzeugt. Eine Studie hat untersucht, welche Denkmuster dem zugrunde liegen.

Mit der Aussage: Menschen, die an Verschwörungserzählungen glauben, sind einfach gestrickt, kann Psychologin Sarah Kuhn nichts anfangen Damit konfrontiert sagt sie lachend : "Ich glaube, so vereinfacht kann man das nicht sagen."

Die aus Lörrach stammende Doktorandin hat zusammen mit einem Team für die Studie rund 1.600 Menschen aus Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz online befragt. Ziel war es, herauszufinden, welche Denkmuster dem Glauben an Verschwörungserzählungen zugrunde liegen:

Skeptische und Verschwörungsaussagen

"Da waren einerseits eher skeptische Aussagen dabei. Also gar nicht Verschwörungstheorien per se, sondern eher so Aussagen wie: ich bin skeptisch über die offizielle Erklärung zur Ursache des Virus. Wir haben aber auch ganz konkrete Verschwörungsaussagen abgefragt. Das waren solche Aussagen wie beispielsweise: Bill Gates könnte hinter dem Coronavirus stecken oder 5G verursacht das Coronavirus und ist eine Form der Strahlenvergiftung."

Möglichst viele Informationen sammeln

Rund 50 solcher Aussagen wurden den Teilnehmern vorgelegt. Darüber hinaus wurden ihre Denkmuster untersucht und geschaut, ob diejenigen mit eher einfacher "Denke" Verschwörungen leichter zustimmen. Sarah Kuhn beschreibt das Vorgehen so: "Wir haben dabei ganz konkrete Denkverzerrungen untersucht. Das heißt, Verzerrungen, die man hat, wenn man Urteile treffen soll. Ich nenne mal ein Beispiel, dann wird es vielleicht etwas klarer: ein Beispiel, das wir untersucht haben, ist das voreilige Schlussfolgern. Das bedeutet: Wenn ein Mensch diesem voreiligen Schlussfolgern unterliegt, dann sammelt er nur ganz wenige Informationen, bevor er ein Urteil trifft. Nicht nur ganz wenige, sondern zu wenige Informationen, um eigentlich ein gutes Urteil zu treffen."

Ein Beispiel für eine solche voreilige Schlussfolgerung wäre, wenn jemand behauptet, FFP2-Masken wurden nur deshalb Pflicht, weil Politiker sich an den Maskendeals bereichern konnten. Andere Aspekte, wie Studien zur Wirkung der verschiedenen Masken würden dadurch außer Acht gelassen.

"Ich glaub man kann tendenziell sagen, dass die Leute, die diesen Aussagen zustimmen, meistens - aber nicht immer - in den Entscheidungsprozessen etwas unvorsichtiger sind"

Solch voreilige Schlussfolgerungen hat Sarah Kuhn bei der Auswertung der Studie festgestellt, aber sie hat auch erlebt, dass Menschen, die differenzierter denken, trotzdem Verschwörungserzählungen zustimmen: "Wir haben in der Studie auch festgestellt, dass nicht nur Menschen, die voreilig schlussfolgern, diesen Aussagen stark zustimmen, sondern das waren auch Menschen, die eher einen bedächtigen Schlussfolgerungsprozess an den Tag gelegt haben. Deswegen ist es sehr schwierig Regeln zu finden, wer denn jetzt diesen Aussagen zustimmt. Es ist schwierig einzuschätzen. Ich glaub man kann aber tendenziell sagen, dass die Leute, die diesen Aussagen zustimmen, meistens - aber nicht immer - in den Entscheidungsprozessen etwas unvorsichtiger sind.“

Wie geht man mit Verschwörungsgläubigen um?

Sprich, eine pauschale Aussage zum Denken Verschwörungsgläubiger gibt es nicht. Doch unabhängig davon, geht es der Psychologin wie vielen anderen Menschen auch: Verschwörungserzählungen nehmen im privaten Umfeld zu. Wie soll man damit umgehen?

"Es könnte ja gut sein, dass diese Verschwörungsaussagen ein Auswuchs von anderen Sorgen sind."

Sarah Kuhn erzählt von ihren Erfahrungen: "Mein persönlicher Umgang damit ist erst einmal, wenn die Person das wünscht, das Gespräch zu suchen und mir erst einmal anzuhören, was die Person zu sagen hat. Einerseits in Bezug auf die konkreten Aussagen, aber auch zuzuhören, was die Person sonst noch beschäftigt. Es könnte ja gut sein, dass diese Verschwörungsaussagen ein Auswuchs von anderen Sorgen sind und dass eigentlich etwas ganz anderes dahinter steckt.“ Sie räumt aber auch ein, dass es Fälle gibt, in denen keinerlei Gespräch mehr möglich ist.

Freiburg

Blühender Blödsinn verbreitet sich viral Freiburger Beratungsstelle: Corona-Fakenews spalten Familien

Verschwörungstheorien blühen - und entzweien Familien. Bei der Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Freiburg melden sich immer mehr Menschen, deren Familien so auseinander brechen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
MODERATOR/IN